Pferdewirtprüfung

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Das [ganz persönliche] Neuordnungs- Tagebuch

 

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Eckwerte- Diskussion


IG BAU legt los


Fakten: Das steckt dahinter


Arbeitgeber noch im Winterschlaf?

1. Fachgespräch

2. Fachgespräch

Fachgespräche muss man vorbereiten

"Kleines Fachgespräch"

Der neue Pferdewirt steht auf der Kippe!

Derzeit geht gar nichts!

Was gilt eigentlich noch?

 

 

 

ABSCHNITT 2


Titel  1
Titel  2
Titel  3
Titel  4

ABSCHNITT 3


Titel  1
Titel  2
Titel  3
Titel  4
Titel  5

 

ABSCHNITT 4


Titel  1
Titel  2
Titel  3
Titel  4
Titel  5

Titel  6


IG BAU legt los (Apr. 2005)

Die IG Bauen Agrar Umwelt möchte eine moderne, zukunftsorientierte Pferdewirtausbildung. Weil die alte Verordnung des Berufes Pferdewirt schon ein wenig angestaubt ist und den Charme der 70iger Jahre besitzt, hat die zuständige Gewerkschaft jetzt erstmals einen Eckwertevorschlag auf den berühmten Tisch des Hauses gelegt. Kernpunkte einer neu reformierten Pferdewirtausbildung sind nach Meinung der Gewerkschaft IG BAU:

3jährige Ausbildungsdauer mit Kernqualifikationen (50%) und auswählbaren Fachqualifikationen (50%)
Wechsel unter den Qualifikationen soll  bis zur Zwischenprüfung möglich sein
neue, kundenorientierte Spezialisierungen in Form von Fachqualifikationen
deutlich höhere Qualifikationen machen den Pferdewirt zum Profi rund um das Pferd. Den Pferdepfleger delux wird es nicht geben!
Eine stärkere Verzahnung mit anderen Berufen rund um das Pferd macht den Pferdewirt zukunftssicher
EDV- Fachkenntnisse werden verstärkt Eingang in die Berufsausbildung finden und Ausbildungsbetriebe selbstverständlich einen Internetanschluss zum Lernen bereithalten
Motivierende Ausbildung mit modernen Lernformen schaffen Handlungskompetenz und legen den Grundstein für lebensbegleitendes Lernen. Es muss und wird mehr Zeit zum Lernen geben müssen. 
Zusatzqualifikationen (z.B. Hufbeschlag, Besamungstechnik, usw.) werden auf Wunsch ins Abschlusszeugnis übernommen und erhöhen die Qualifikation der Auszubildenden.
Ausbildungsabschnitte bei Tierärzten, Schmieden, usw. lassen den Pferdewirt zu einem gefragten Fachmann/frau werden
Überbetriebliche Ausbildung sieht die IG BAU als Zukunftsinvestition für  qualifizierte Nachwuchskräfte und die Branche, nicht als Strafe
Fakten: Das steckt dahinter (Mai 2005)

Für jeden anerkannten Ausbildungsberuf in Deutschland gibt es eine entsprechende Verordnung (Berufsbild), in der geregelt wird, wie der Beruf heißt, wie lange er zu erlernen ist, was man zur Prüfung können muss, und .... . Natürlich gibt es eine derartige Verordnung auch für den Beruf Pferdewirt. Und genau die soll jetzt reformiert werden, weil die alten Vorschriften noch aus dem Jahre 1975 stammen, als die Mehrzahl der Azubis noch gar nicht geboren war. Eine Verordnung für einen Ausbildungsberuf erstellen immer die sog. Sozialpartner, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die von ihren jeweiligen Interessenvertretungen vertreten werden: Arbeitgeberverband und Gewerkschaften. Unter dem Dach des Bundesinstituts für Berufsbildung in Zusammenarbeit mit dem verordnungsgebenden Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft setzen sich die Sozialpartner zusammen und erarbeiten  eine neue Verordnung. Das Verfahren, man nennt das auch Neuordnungsverfahren, beginnt mit der Einigung auf einen Eckwertevorschlag, das ist sozusagen das gemeinsame Grundgerüst, das dann im weiteren Verfahren von sog. Sachverständigen (4 sachverständige Arbeitgeber, 4 sachverständige Arbeitnehmer der IG BAU) immer mehr detailliert wird, bis der neue Ausbildungsberuf neu geregelt ist. Wenn sich beide Seiten sputen, kann nach 1 bis 2 Jahren ein neuer Ausbildungsberuf entstanden sein. [Wie entsteht eine Ausbildungsordnung?]

Arbeitgeber noch im Winterschlaf? (Mai 2005)

Obwohl die IG BAU schon Anfang April mit ihrem Eckwertevorschlag die Diskussion um die Reform des Berufes Pferdewirt eröffnete, scheinen die Arbeitgeber sich noch im Winterschlaf zu befinden. Eine Reaktion der Arbeitgeber liegt Mitte Mai immer noch nicht vor.

 

1.Fachgespräch (9.Juni 2005)

Jetzt kommt Bewegung in das Verfahren: Nachdem die IG BAU ihren Vorschlag vorgelegt hatte, kommt es am 9.Juni 2005 zu einem Fachgespräch zwischen dem Arbeitgeberverband, dem verordnungsgebenden Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft sowie der Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt. Sinn eines Fachgespräches ist die Vorbereitung eines Antraggespräches, das dann der offizielle Beginn eines Neuordnungsverfahrens ist. [Wie entsteht eine Ausbildungsordnung?]

2. Fachgespräch (15.Juni 2005)

Nach grundlegenden Diskussionen und großem Lob für den Eckwerte- Vorschlag der IG BAU prüft das verordnungsgebende Ministerium einige rechtliche Konstellationen, wie man mögliche Spezialisierungen im neuen Pferdewirt "wasserdicht" regeln kann. Am 25.08.2005 treffen sich dann wieder Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu einem 2. Fachgespräch im Bonner Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Ziel ist es, noch in diesem Jahr zu einer von beiden Seiten akzeptierten Eckwerte- Vereinbarung zu kommen. Dazu wird es aber nur kommen, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sind. Derzeit machen alle Beteiligte ihre "Hausaufgaben" und bereiten sich auf das 2. Fachgespräch intensiv vor.

(26.Aug.2005) Nun sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig, dennoch kommt es nicht in absehbarer Zeit zu einem Eckwertegespräch sowie einer neuen, praxisgerechten Verordnung in 2006! Frühestens in 2007 kann man mit einem neuen Pferdewirt rechnen! Frust macht sich breit bei den motivierten Gesprächspartnern, denn das verordnungsgebende Ministerium rechnet mit Bedenken im Verordnungsverfahren, als die gemeinsam vorgetragenen Wünsche aller Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter vorgestellt wurden! 

Ob die berühmt berüchtigte Kuh vom Eis kommt, wird man bei einem weiteren Fachgespräch am 09.11.2005 in Hannover sowie einer kleinen Runde aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Vertretern der zuständigen Ministerien (Bildung und Landwirtschaft) am 20.09.2005 sehen. 

Nur eines, da sind sich alle Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter einig, wird es nicht geben: Eine Verordnung, die nur auf dem Papier steht und an die sich dann sowie so keiner halten wird und kann!

Fachgespräche muss man vorbereiten(5.Jul.2005)

Nur wenn man sich gut vorbereitet, kann man auch überzeugend argumentieren. Deshalb trifft sich die aus anerkannten Bildungs- und Pferdeexperten (allesamt mit Stallgeruch) besetzte Arbeitsgruppe der IG BAU am 19.07.2005 in Hannover, um das Fachgespräch vom 25.08.2005 in Bonn vorzubereiten. Neben vielen Detailfragen steht ganz oben auf der Beratungsliste die zukünftige Struktur des neuen Pferdewirtes. Am Ende eines langen Arbeitstages steht ein überarbeiteter Eckwertevorschlag auf dem Computer der mehrheitlich ehrenamtlich arbeitenden IG BAU- Mitglieder. Mal sehen, was die anderen dazu sagen?

(26.Aug.2005) Um es gleich zu beantworten: Sie waren begeistert. Praxisgerecht, hilfreich, innovativ, das waren die Kommentare aller Teilnehmer am 2. Fachgespräch. Dann hat sich die Arbeit ja gelohnt. Jetzt muss nur noch das verordnungsgebende Ministerium überzeugt werden. Mal sehen ... .

"Kleines" Fachgespräch(20.09.2005)

Nach dem für alle Seiten frustrierenden Fachgespräch vom 26.08.2005 muss doch wieder Schwung in die Neuordnung des Pferdewirtes zu bekommen sein! Lust statt Frust! Mit diesem festen Willen trafen sich die Spitzen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zusammen mit je einem Vertreter bzw. Vertreterin des verordnungsgebenden Ministeriums (Landwirtschaft) sowie des Ministeriums für Bildung und Forschung. Frohe Kunde aus Bonn: Die Kuh, besser gesagt das Pferd, ist wohl vom Eis!

Alle Beteiligten der Sitzung in Bonn einigten sich auf den Monoberuf Pferdewirt mit verschiedenen, neuen und bewährten Fachrichtungen. In der gemeinsamen Grundqualifikation aller Pferdewirtauszubildenden werden dann zwar die selben Fertigkeiten und Kenntnisse formuliert, die aber in den jeweiligen Ausbildungsbetrieben mit den unterschiedlichen Fachrichtungen erworben werden können. Bei einigen Grundqualifikationen wird dieses in der Verordnung auch konkret so formuliert, damit die Verordnung die Ausbildungswirklichkeit korrekt beschreibt und so eine höhere Akzeptanz bei den Betroffenen, besonders den Auszubildenden und deren Ausbildern, erhält. Beispielsweise könnte der Ausbildungsinhalt Bewegen und Arbeiten von Pferden mit dem Zusatz formuliert werden, dass man/frau dieses entweder mit Sportpferden oder Zuchtpferden, Westernpferden, Rennpferden, ... erlernt und dann in der Zwischenprüfung auch so nachweist. Im letzten Ausbildungsabschnitt werden dann die jeweiligen Fertigkeiten und Kenntnisse, je nach gewählter Fachrichtung, noch weiter individuell vertieft. Nach dieser Struktur könnte man dann mit dem Pferdewirt in der Fachrichtung Reiten oder Zucht oder Rennreiten, oder ... abschließen.

Soweit das Ergebnis des "kleinen" Fachgespräches in Bonn, das dann noch am 17.10.2005 gemeinsam von Arbeitgebern und Arbeitnehmern mit Inhalt gefüllt werden muss. Wenn das so klappt und alle Beteiligten ihre Zustimmung geben, dann kann es am 09.11.2005 doch noch zum erhofften offiziellen Eckwertegespräch kommen und damit dann das offizielle Neuordnungsverfahren mit der Arbeit der Sachverständigen beginnen. Vorher mahnt die IG BAU aber noch an, sich ganz konkret über die Einführung von überbetrieblichen Ausbildungen, z.B. zwei Wochen innerhalb der Berufsausbildung, zu verständigen, damit die schon jetzt geübte Praxis der komprimierten Berufsausbildung (Vorbereitungslehrgänge, Prüfungslehrgänge, usw.) endlich aus einer Grauzone kommt und so rechtlich eindeutig in der neuen Pferdewirt-Verordnung geregelt wird.

Abb. Uni Bern

Der neue Pferdewirt steht auf der Kippe!(17.10.2005)

Obwohl die Praktiker sich einig sind, dass zu einer qualifizierten Pferdewirtausbildung auch überbetriebliche Ausbildung gehört, lehnen die landwirtschaftlichen Arbeitgeber plötzlich eine entsprechende Regelung in der Verordnung ab. Das kommt überraschend und ist ein wenig unverständlich, weil der viel gelobte Eckwertevorschlag der IG BAU von Anfang an eine überbetriebliche Ausbildung vorsah (s. Apr. 2005) und nun kurz vor einer Einigung das NEIN sehr wahrscheinlich geworden ist. Viele am Verhandlungstisch waren fassungslos und sehen ihre umfangreichen Vorarbeiten, so kurz vor der Einigung, schon im berühmt berüchtigten Papierkorb. Was tun? Abreisen? Aufhören? Weitermachen? Auf Wunsch aller Anwesenden wurden dann alle weiteren Eckwerte einvernehmlich geregelt und festgeschrieben, bis auf die überbetriebliche Ausbildung. Das letzte Wort wollen bis Ende Oktober die Arbeitgeber dann schriftlich abgeben. Eigentlich sollte schon Anfang November der offizielle Neuordnungsbeginn vereinbart werden. Mal sehen, ob die Arbeitgeber diesen Termin absagen? Der einhellige Wunsch aller Anwesenden ist jedoch, dass die Arbeitgeber sich ein wenig zu einem Kompromiss durchringen können, damit der neue Pferdewirt dann doch noch kommen kann. Gerade im Beruf Pferdewirt ist eine eindeutige Regelung notwendig, weil alle Praktiker wissen, dass es in einem nicht zu vernachlässigen Umfang Wildwuchs in der Berufsausbildung zum Pferdewirt gibt (60 h/Woche, 2 Tage frei im Monat, keine Schutzkleidung, Berufsschulverbot, usw.), bei dem nicht selten die Azubis die Suppe auslöffeln müssen. Nicht umsonst ist die Durchfallerquote im Beruf Pferdewirt doppelt so hoch wie in anderen landwirtschaftlichen Ausbildungsberufen. Was ganz besonders auffällig ist, dass es beim Pferdewirt eine bis zu 80%ige Abbrecherquote gibt! Warum wohl. Vielleicht bewegen sich die Arbeitgeber ja doch noch und lassen sich von den guten Argumenten der Praktiker leiten?

Übrigens: Bei einem Turnier wäre das Verfahren einfacher: Eine Verweigerung bringt Strafpunkte ...

Derzeit geht gar nichts! (5.11.2005)

Das verordnungsgebende Ministerium hat nicht zum Eckwertegespräch laden können, da sich die Arbeitgeber nicht annähernd zu einem angemessenen Kompromiss bei der Überbetrieblichen Ausbildung durchringen wollten.

Aber auch ohne Einigung bei der Überbetrieblichen Ausbildung passieren seltsame Dinge. Obwohl mit Bildungs- und Landwirtschaftsministerium ausdrücklich abgesprochen (s. 20.09.20059) und unter ausdrücklicher Zustimmung ("Da müssen wir uns alle einig sein!") des Arbeitgebervertreters werden jetzt schon wieder die Fachrichtungen in Frage gestellt, die in mühsamer Diskussion erarbeitet wurden. Befragt man derzeit die bei der Neuordnung beteiligten Praktiker, die, die tatsächlich Stallgeruch haben, dann registriert man nur noch Kopfschütteln. Ein Großteil der engagiert mitarbeitenden Pferdeleute hat den Spaß und den Glauben an eine Neuordnung verloren, denn alles was bisher in mühevoller Detailarbeit erarbeitet wurde, ist nur noch Schmierpapier!!

Eine innovative Neuordnung wird es so jedenfalls nicht geben, denn es steht zu befürchten, dass sich die wirklichen Fachleute von einem erfolglosen Verordnungsverfahren trennen werden und nicht mehr bereit sind, ihre knappe Zeit mit nutzlosen Diskussionsrunden zu vergeuden. Schade, wenn Chancen so vertan werden... .

Übrigens: Dabei weiß jeder Stallmeister: In dem man Pferde gegen die Wand reitet, löst man keine Probleme. Ganz im Gegenteil!

Was gilt eigentlich noch? (26.11.2005)

Mit Schreiben vom 21.11.2005 bedauert das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, dass es zu keiner Einigung bei der Vorlage eines gemeinsames Eckdatenpapiers im Neuordnungsverfahren des Berufes Pferdewirt gekommen ist. Soweit richtig. 

Weiter wird erklärt, "dass nach Auffassung der Bundesressorts eine Untergliederung dieses Berufes in acht Fachrichtungen - auch mit Blick auf die Zahl der Auszubildenden - als zu weitreichend und nicht sachgerecht angesehen wird. Eine Erklärung wird hierfür nicht geliefert" 

Ups, noch beim  sog. "Kleinen" Fachgespräch am 20.09.2005 wurde vom Landwirtschafts- und Bildungsministerium den anwesenden Teilnehmern nach anfänglichem "Knurren" mitgeteilt, dass, vorbehaltlich die jeweiligen Fachrichtungen sind in der Lage, ihren Bedarf glaubhaft nachzuweisen, die bisher diskutierten Fachrichtungen in ein Eckwertepapier aufgenommen werden dürfen! Entsprechend wurde das Eckwertepapier vorbereitet. Das gilt nun nicht mehr! Was schert mich mein Gerede vom Vortag? Alle Arbeit umsonst! Wie geht man/frau eigentlich mit uns zukünftigen Bundessachverständigen um, die hart in ihrer Freizeit gearbeitet hatten? 

Übrigens: Haben diejenigen Mahner doch recht, die schon bei Beginn des Neuordnungsverfahren geunkt hatten, bloß nicht zu viel Arbeit und Engagement in das Neuordnungsverfahren zu stecken?

Der Streitfall: Überbetriebliche Ausbildung (26.11.2005)

Fast alle Pferdewirtauszubildenden in Deutschland kommen in den Genuss zusätzlicher Lehrgänge (Deula, Deutsche Reitschule, Landesreitschule, Jockeyschule, Vielseitigkeitslehrgang, ...) und alle Beteiligten wissen, dass es ohne diese zusätzlichen Ausbildungen eigentlich nicht geht.

Nur standen diese bisher rechtlich auf ganz wackeligen Schuhen, und deshalb haben vereinzelt Ausbildungsbetriebe diese zusätzlichen Kurse nicht bezahlt. Die Azubis standen buchstäblich im Regen: Entweder auf die prüfungsrelevanten Ausbildungsinhalte verzichten oder aber selber zahlen! 

Deshalb hat die IG BAU von Anfang an eine Überbetriebliche Ausbildung (ÜA) bei der Neuordnung zum Pferdewirt vorgesehen, bei der die Finanzierung eindeutig festgelegt ist. 

Dagegen wehren sich bekanntlich die Arbeitgeber und nun auch das Landwirtschaftsministerium: So wird schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass dies grundsätzlich nur bei Vorliegen entsprechender tariflicher Vereinbarungen der Sozialpartner geschehen soll. 

Dabei steht im neuen Berufsbildungsgesetz: "Die Ausbildungsordnung kann vorsehen, dass Teile der Berufsausbildung in geeigneten Einrichtungen außerhalb der Ausbildungsstätte durchgeführt werden, wenn und soweit es die Berufsausbildung erfordert (überbetriebliche Berufsausbildung)" (§ 5 BBiG). 

Warum wehrt sich das Ministerium eigentlich so gegen die überbetriebliche Ausbildung?

 

 

Übrigens: "Das duale Bildungssystem ist nur überlebensfähig, wenn es zu einem Prämiumsystem wird!" (Dr. Bernd Voigt, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie)

 

Pferdewirtausbildung:

Rückfall in die Steinzeit?

Doch noch die Kurve gekriegt?(09.12.2005)

Die besinnliche Weihnachtszeit scheint es geschafft zu haben: Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben sich doch noch auf einen gemeinsamen Eckwertevorschlag für die Neuordnung der Pferdewirtverordnung einigen können und werden diesen noch in dieser Woche dem verordnungsgebenden Ministerium vorlegen. Wenn dort in Bonn auch der friedliche Duft von Spekulatius und Punsch durch die Büros zieht, kann es dann tatsächlich in Kürze zum verbindlichen Antragsgespräch kommen, mit dem die offizielle Neuordnung des Berufes Pferdewirt dann beginnen kann.

Na denn, Friedliche Weihnachtszeit!

Geeinigt - Nur keiner weiß es! (15.12.2005)

Obwohl die Sozialpartner den Konfliktfall "Überbetriebliche Ausbildung" gelöst haben, passiert einfach gar nichts - einfach gar nichts. 

Nicht einmal die Arbeitgebervertreter der vorherigen Fachgesprächen wissen, was läuft, keiner hat sie informiert. Dabei wissen die Gewerkschafter längst, dass die Kuh vom Eis ist und warten, warten und warten ...

Bleibt leider fest zu halten, dass die Chance, in der Verordnung zum Pferdewirt eine qualifizierende, überbetriebliche Ausbildung zu regeln, endgültig vergeben ist. Darüber klagen übrigens nicht nur die Gewerkschaftsvertreter, sondern auch renommierte  Arbeitgebervertreter, die sich immer lauter fragen, wie sie eigentlich von ihrem Verband vertreten werden.

Der Winter dauert in diesem Jahr bekanntlich länger! (25.03.2006)

Im April schein allgemein der Winterschlaf beendet zu sein: Das Landwirtschaftsministerium bittet um einen Termin zu einem vorbereitenden Eckwertegespräch, das, falls die Vorbehalte des Ministeriums gelöst werden können, in ein Eckwertegespräch übergehen kann. 

Über welche Vorbehalte reden wir eigentlich? 

Wäre es nicht wichtig, sich vorher mit diesen Fragen auseinander zu setzen? Gut vorbereitet diskutiert sich besser!? 

Die Vertreter der IG BAU sind ein wenig irritiert, denn Ende März 2006 wissen fast alle Arbeitnehmervertreter der vorbereitenden Neuordnungsgespräche nicht, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf einen Eckwertevorschlag geeinigt haben. Von einer Terminsuche  ist auch nichts bekannt. ... Der Winter dauert in diesem Jahr bekanntlich etwas länger.

Es geht tatsächlich weiter!? (04.05.2006)

Nach unendlich langen Termindiskussionen ist es doch tatsächlich gelungen, ein neues Fachgespräch ein zu beraumen. Dabei meint das Landwirtschaftsministerium:  "Ausdrücklich soll dieses Fachgespräch, unter dem Vorbehalt, dass die offenen Punkte geklärt werden können, unter der Option geführt werden, es in ein Antragsgespräch münden zu lassen. Termin: 2. Jun. 2006, 10:30 - 13:30. Sollte es doch tatsächlich weiter gehen?

Beim Landwirtschaftsministerium gibt es VIPs...(30.05.2006)

...und die anderen bleiben dumm! 

Kurz vor dem lang ersehnten Fachgespräch, mit der Hoffnung, die Eckwerte für den neuen Pferdewirt beschließen zu können, platzt eine Bombe: 

Ein Teil der Arbeitgeber trifft sich heimlich mit dem Vertreter des Landwirtschaftsministerium. Auf dem Programm steht ein ganz neuer Zuschnitt des Berufes!

 Obwohl das Land- und Bildungsministerium den gemeinsamen Vorschlag der Sozialpartner am 20.09.2005 genehmigt hatten, unendlich viel Zeit und Geld von den Sozialpartnern investiert wurde, ist die gesamte Arbeit wohl Makulatur!

So geht es nicht! Am Freitag diskutieren Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht auf Augenhöhe und nicht mit dem selben Sachstand! Es wird gut informierte und weniger gut informierte Teilnehmer beim Fachgespräch geben. Die einen sind eben die VIPs, die anderen sind halt das Fußvolk! Unmut macht sich breit, Gerüchte kreisen und von Konsequenzen ist die Rede! Die Stimmung ist explosiv.

Wenn Ministerialbeamte am Schreibtisch entscheiden:

Einheitssuppe Pferdewirt!(02.06.2006)

Wer bestimmt eigentlich, wie der neue Pferdewirt aussehen soll? Beamte der Ministerien, die alle schon einmal ein Pferd gestreichelt haben oder Praktiker, die täglich erfolgreich mit Pferden umgehen und selber auch ausbilden?

Die derzeitige Lage ist verfahren. Auf den Punkt gebracht geht es darum, ob sich Praktiker mit Stallgeruch oder Ministerialbeamte mit Bürogeruch durchsetzen. 

Worum geht es eigentlich? Während alle Praktiker möchten, dass es zukünftig auch noch einen Pferdewirt Bereiten, Pferdewirt Westernreiten, Rennreiten, usw. gibt, weigern sich die Ministerialbeamten hartnäckig, diese Unterteilung mit zu tragen. In den Bürostuben hat man sich darauf versteift, nur noch einen Pferdewirt in der Fachrichtung Reiten zuzulassen, egal, ob er auf der Rennbahn, dem klassischen Dressurviereck, der Töltbahn, der Westernarena, dem Fahrviereck, der barocken  Manege oder dem Longierzirkel gelernt hat, auf dem Abschlusszeugnis wird immer das selbe stehen: Pferdewirt in der Fachrichtung Reiten. 

Die Praktiker der IG BAU und der Arbeitgeber sind entsetzt! Zukünftig soll nicht einmal mehr aus der Berufsbezeichnung deutlich werden, ob es sich um einen Westernreiter, Rennreiter oder Bereiter handelt! Woran werden Kunden dann zukünftig erkennen, ob ihnen ein Rennreiter, Westernreiter oder ein klassischer Bereiter ihr Pferd ausbildet? Woran können Eltern erkennen, ob eine versierte Fachkraft ihren Kindern qualifizierten Reitunterricht erteilt und übrigens auch über deren Gesundheit entscheidet? Woran kann ein Arbeitgeber dann einschätzen, wen er da einstellt? Wie kann ein Gerichtsgutachter noch beurteilen, ob ein Reitlehrer eine qualifizierte Ausbildung hat?

Das Problem der Diskussion, die sich immer nur im Kreise dreht und eine zweijährige Vorbereitung einfach über den Haufen wirft, ist, dass viele Dinge, die einmal von den Ministerialbeamten gesagt wurden, plötzlich nicht mehr gelten! Die Praktiker sind schier sprachlos, dass...

... das "Ok" zur Struktur des neuen Pferdewirtes angeblich nie gegeben wurde, obwohl alle wissen, dass es die Genehmigung gab. Warum wurde eigentlich genau von dieser Sitzung nie ein Protokoll geschrieben? 

... Teilnehmer bei dem Fachgespräch am 02.06.2006  behaupten, bei allen Sitzungen der letzten zwei Jahre dabei gewesen zu sein, obwohl sie keiner kennt.

... genau vor einem Jahr vom Ministerium für den jetzt von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorgelegten Eckwertevorschlag geworben wurde, dass sich die klassischen Reiter jetzt endlich wieder Bereiter nennen dürfen. Nur ein Jahr später soll dieser Begriff nicht mehr zulässig sein.

... plötzlich sich ganz viele Ministerialbeamte als Hippologen outen und früher auch schon mal mit dem Pony ein Wägelchen gefahren haben. Wenn Pferdefreunde, die glauben, alles zu überblicken,  Hippologen die Welt erklären wollen, wird es schwierig. 

... alle erstmalig zum Fachgespräch geladenen Teilnehmer unisono gegen das sind, was von der IG BAU und den Arbeitgebern in zwei Jahren erarbeitet worden ist. Sauber in Einzelgesprächen gegen den Eckwertevorschlag der Sozialpartner vorbereitet? Das ist das Ergebnis, wenn vor den Türen mehr geredet wird, als hinter den Türen, wenn nur mit ausgewählten Gesprächspartnern und nicht offen mit allen Teilnehmern gesprochen wird. Schon letzte Woche mussten die Praktiker erkennen, dass es offensichtlich VIPs beim Ministerium gibt. Eine Verhandlungsführung, die grundsätzlich Misstrauen erzeugt und niemals Transparenz schafft. 

Kurz vor Abbruch des Fachgespräches machen dann die nach Pferd riechenden Praktiker der IG BAU einen entscheidenden Vorschlag, mit dem alle Seiten eigentlich leben können müssten: 5 Fachrichtungen im neuen Pferdewirt: Zucht - Management - Bereiten - Pferderennen - Spezialpferdereiten.

Die Ministerialbeamten versprechen, diesen Kompromissvorschlag weiter prüfen zu lassen, nachdem alle Praktiker deutlich machten, dass sie mit diesem Kompromissvorschlag durchaus leben könnten. Alles wird gut?

Was der Stallmeister schon wusste: (Büro)- Staub muss im Pferdestall unbedingt vermieden werden, denn er macht Pferde dämpfig. Und dämpfige Pferde sind meist ein Fall für den Schlachter!

Winterruhe(07.01.2007) 

Es ist schon wieder Winter, es ist schon wieder ein Jahr vergangen. Aber bei der Neuordnung des Berufes Pferdewirt passiert gar nichts, rein gar nichts. Zwei Jahre ohne irgendein Ergebnis. Auf der Homepage des Bundesinstitut für Berufsbildung steht übrigens, dass es 2008 eine neue Pferdewirtverordnung gibt. Wer hat das denn geschrieben? Bleigießen am Sylvesterabend? Die Sozialpartner sind sich immer noch einig aber ratlos.

Schneckenwirt (01.06.2007)

Der Pferdewirt gerät in Vergessenheit. Alt und verstaubt wird er bleiben. Weder Arbeitgeber noch Ministerium rühren sich. Pferdewirt oder Schneckenwirt?

Arbeitgeber machen ihre Hausaufgabe nicht! (23.06.2007)

Genau 1 Jahr ist es her, dass Arbeitgeber und FN versprochen haben, inhaltlich die geplanten 5 Fachrichtungen (Zucht - Management - Bereiten - Pferderennen - Spezialpferdereiten) zu beschreiben und so ihre Notwendigkeit zu begründen. Die IG BAU, die seinerzeit sich mächtig für die Fachrichtungen im Beruf Pferdewirt einsetzte und auch den Kompromissvorschlag auf den Tisch legte, fragte jetzt beim Landwirtschaftsministerium nach, warum im Beruf Pferdewirt denn nichts passiert. Die Antwort des Ministeriums löste einiges Erstaunen aus: Seit einem ganzen Jahr wartet das Ministerium auf ein Argumentationspapier der Arbeitgeber und der FN. Bisher vergebens. Fachleute des Ministeriums haben sogar den Verdacht, dass die Arbeitgeber mauern und nicht wirklich einen modernen Pferdewirt wollen. Auf jeden Fall ist man in Bonn der Meinung, dass der Beruf Pferdewirt durch die fehlenden Hausarbeiten der Arbeitgeber mittlerweile Schaden nimmt. Noch ist es möglich, die nicht abgegebenen Hausaufgaben noch bis zum Schuljahresende abzugeben. Sonst heißt es: Klassenziel nicht erreicht, nicht versetzt! In diesem Falle würde das Ministerium selber den Beruf neu ordnen, ohne die Arbeitgeber.

Notstand: Beim Bauernverband sind die Briefmarken hinter die Heizung gefallen!(09.02.2008)

Wenn die Gerüchte in den Pferdeställen stimmen, dann gibt es schon seit Ende 2007 einen Eckwertevorschlag der Arbeitgeber. Aber leider fehlen scheinbar die Briefmarken, um den Eckwertevorschlag zur Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt zu senden. Mittlerweile sind die Verzögerungen der Arbeitgeber nicht mehr nachvollziehbar! Oder doch nur Taktik? 

Sagen die Arbeitgeber nicht immer, sie wären schneller, unbürokratisch, effizienter, innovativer, weil sie ja privatwirtschaftlich arbeiten müssen und deshalb den Gewerkschaften haushoch überlegen sind?

www.pferdewirtpruefung.de ist natürlich bereit, dem Deutschen Bauernverband die Portokosten zu erstatten, damit die Gewerkschaft endlich Post bekommt und die Pferdewirte ein ordentliches Berufsbild. Versprochen!

Wir helfen! Wir sind Deutschland! Wir lassen den Bauernverband nicht im Stich!

Tari- Tara, die Post ist da!(04.03.2008)

Am 18.02.2008 ist doch tatsächlich Post vom Deutschen Bauernverband bei der Gewerkschaft IG Bauen Agrar Umwelt eingegangen: Der Eckdatenvorschlag liegt vor und kann von den Sozialpartnern diskutiert und dann abgestimmt werden. Damit wird die Grundvoraussetzung geschaffen, zu einer neuen Verordnung zu kommen. Wenn man so bedenkt, dass der erste Tagebucheintrag vom April 2005 stammt und darin berichtet wurde, dass die Gewerkschaft mit einem Neuordnungsvorschlag die notwendige Reform des Berufes Pferdewirt einläutete ...

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Jetzt geht's los!(16.04.2008)

Heute ist ein guter Tag für die Pferdewirte! Die beiden Sozialpartner, die Pferdewirtgewerkschaft Bauen Agrar Umwelt und der Deutsche Bauernverband haben sich entschlossen, einen gemeinsamen Eckwertevorschlag dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vorzulegen und bitten das Ministerium um einen raschen Termin für ein Fachgespräch, welches möglichst in einem offiziellen Antragsgespräch münden sollte. Das Antragsgespräch ist dann der offizielle Startschuss für die Arbeit der Sachverständigen, die dann in einem knappen Jahr die neue Verordnung erstellen werden. 

Auf nach Bonn!(06.06.2008)

Am 26.06.2008 ist es soweit: Das Antragsgespräch für den Beruf Pferdewirt ist angesetzt. Wenn sich an diesem Termin alle Beteiligten auf bestimmte Grundlagen verständigen können, geht die Neuordnung endgültig ihren Gang. Kommt die Neuordnung doch noch in 2009?

Fast wie Weihnachten: (26.06.2008)

 Die Eckwerte zur neuen Verordnung Pferdewirt sind beschlossen. Demnächst gibt es fünf Fachrichtungen, damit auch alle Reitweisen zu ihrem Recht kommen und mit der Berufsausbildung starten können. Gründe für ein sog. Praktikum kann es dann nicht mehr geben!

 

Ran an die Arbeit! (13.02.2009)

Am 17.02.2009 und 18.02.2009 findet in Bonn beim Bundesinstitut für Berufsbildung die 1. Sachverständigensitzung zur Novellierung des anerkannten Ausbildungsberufes "Pferdewirt/Pferdewirtin" statt. Vertreter der Arbeitgeber (Deutscher Bauernverband) und der Arbeitnehmer (Gewerkschaft Bauen Agrar Umwelt), die sog. Sachverständigen, beginnen die Erarbeitung der neuen Ausbildungsordnung. Unterstützt werden sie bei ihrer Arbeit von Vertretern des Bundesinstitutes für Berufsbildung, dem Bildungsministerium, dem Landwirtschaftsministerium und der Kultusministerkonferenz, die zeitgleich einen Lehrplan für die Berufsschulen passend zur neuen Verordnung erarbeitet. An dieser Stelle wird es zeitnah weitere Infos über den am 17./18.02.2008 festgelegten Zeitrahmen geben. Dann kann abgeschätzt werden, ob es den neuen Pferdewirt/in ab 2010 geben kann.

Yes, we can!(18.02.2009)

Die erste Arbeitssitzung zur Neuordnung des Berufes Pferdewirt war zwar arbeitsreich, aber sehr konstruktiv. Regelrecht gute Laune hatten die Sachverständigen der Gewerkschaft IG BAU und der Arbeitgeber und so machte die Arbeit für den Beruf Pferdewirt richtig Spaß! Rückwirkend betrachtet war es gut, dass um die Konstruktion des neuen Pferdewirtes jahrelang hart gestritten wurde. Jetzt waren die Fronten klar, eine Linie von allen akzeptiert und im Vordergrund  dann in Bonn die Gestaltung des Berufsbildes zum Nutzen aller Pferdewirtazubis und auch der Ausbildungsbetriebe stand. Das Arbeitspensum ist erheblich, denn in jedem Monat wird es bis September zweitägige Tagungen geben. Um diese vorzubereiten, muss es dazwischen noch zahlreiche Abstimmungsgespräche geben. Auch bei der Neuordnung gibt es Hausaufgaben. Weil die Sachverständigen und die Beamten der Ministerien so fleißig sind, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit im Sommer 2010 den neuen Pferdewirt geben.

 

Die Sachverständigen bei der Arbeit am neuen Pferdewirt

Pferdegeruch (28.04.2009)

Bereits zum 3. mal reisten die Sachverständigen an, um die neue Verordnung Pferdewirt/in auf den Weg zu bringen. Diesmal allerdings traf man sich nicht in Bonn, sondern im Vollblutgestüt Rietberg, um so mit Pferdegeruch eine möglichst praxisnahe Verordnung zu kreieren. Bisher liegen die Sachverständigen, weil sie so fleißig und konzentriert arbeiten und vom Berufsbildungsinstitut und dem Landwirtschafts- und Bildungsministerium optimal unterstützt werden, gut in der Zeit. Alle Sachverständigen betonen, dass es zwar viel Arbeit ist, es aber riesig Spaß macht. Was will man mehr? 

Auf die Prüfung fertig los! (28.05.2009)

Bei ihrer bereits 4. Sitzung beschäftigten sich die Sachverständigen mit den Prüfungen. In dieser verantwortungsvollen Arbeit legen die Sachverständigen zusammen mit den Ministerien und dem Bundesinstitut für Berufsbildung fest, was ein Pferdewirt/in in der Zischen- und Abschlussprüfung können muß. Hauptaugenmerk wird darauf gelegt, dass die Auszubildenden ihr berufliches Können wirklich auch in praktischen Situationen beweisen. Das Aus für Ankreuzfragen ist beschlossene Sache. Stattdessen bekommen die Auszubildenden bei ihren Prüfungen komplexe Aufgaben, die dann unter den Augen der Prüfer erledigt werden müssen. Eine solche Aufgabe könnte lauten: Beschreiben Sie in diesem Stall das Klima (Luftfeuchtigkeit und Temperatur messen), bewerten Sie die Messergebnisse und machen Sie konkrete, begründete Vorschläge, wie das Stallklima in diesem Stall verändert werden kann. Sie dürfen diese Vorschläge, so weit wie möglich, auch im Stall erproben. Ihre Ergebnisse präsentieren Sie dann dem Prüfungsausschuss. Für diesen Prüfungsteil haben Sie 1,5 h Zeit. 

Hoch über den Dächern von Bonn: Auch hier haben die Sachverständigen immer den Überblick

 

Nun hakt es doch!(25.06.2009)

 

Bisher lief alles wie geschnitten Brot. Jetzt hakt es aber doch. 

 

Das muss erklärt werden: Nach dem Regelwerk des Bundesinstituts für Berufsbildung haben sich die Sachverständigen darauf vorbereitet, die Abschlussprüfungen zu regeln. Dazu gab es eine schriftliche Handanweisung aus dem Jahr 2007. Plötzlich gilt die nicht mehr. Großes Erstaunen und Frust macht sich breit. Einmal alles für den Papierkorb. Das gilt auch für die Sachverständigen, die ihre vorbereitende, stundenlange Arbeit umsonst gemacht haben. Die, die vorsichtshalber nichts gemacht haben, fühlen sich bestätigt und lächeln.

Und noch eine ungute Entwicklung zeichnet sich ab: Nachdem das Bildungsministerium dringend "gebeten" hat (mal ist es eine Anweisung, mal eine Empfehlung), zwei Prüfungsbereiche von fünf komplett schriftlich zu prüfen, damit sich die Berufsschulen auch genügend in der Prüfung repräsentiert fühlen, geht der Trend einiger Sachverständiger dazu, z.B. Fütterung, Futterlagerung, Weidezaun, Anatomie, Pathologie, Vorsorge, Stallklima, Pferdetransport, Stalltechnik, Betriebswirtschaft und WiSo komplett schriftlich abzuprüfen. Auf der anderen Seite steht dann das Reiten, Longieren, Unterrichten. Das ist schlecht, denn die Prüfung begibt sich dann wieder in alte Muster. Hier die auswendig zu lernenden Theoriefragen und da die Praxisnoten im Reiten. Erfahrene Prüfer wissen wie das ausgeht: Unwichtige, lästige Theorie, die man gerne reflexartig auswendig lernen lässt und anspruchsvolle Praxis. Überspitzt formuliert: Doof, aber gut Reiten. Die Ausbildungsbetriebe werden das lieben, denn für die Theorie ist dann nur noch die Berufsschule zuständig. Im Betrieb findet das dann nicht mehr statt. Viele Ausbilder verzichten dann auf den theoretischen Unterbau bei ihren Azubis, ist man ja auch nicht mehr zuständig. So wird sicherlich argumentiert. Die IG BAU sieht schon ein ganz großes Problem: Da viele Azubis lieber 60 Stunden in der Woche ihrem Ausbildungsbetrieb zur Verfügung stehen müssen und deshalb "leider" nicht die Schule besuchen "können", wird es große Wissensdefizite bei vielen Azubis geben. Die schriftliche Prüfung macht dann so manche gute Prüfung kaputt. Die Folge wird sein, dass die Prüfungskommissionen dann die Theorie heruntersetzen, weil, die ist ja nicht so wichtig, die Hauptsache, die Stifte kommen mit dem Pferd klar.

Das ist nicht das, was durch die Reformierung des Pferdewirtes erreicht werden sollte. Eigentlich, so heißt es, will man prozessorientierte Prüfungen, also komplette, praxisgerechte Betriebsabläufe, die dann gesamt mit unterschiedlichen Prüfungsinstrumenten abgeprüft werden: Praktisches Tun, Fachgespräch, Präsentation, schriftliche Arbeit, usw. Am Ende sollte dann eine Note für den Prüfungsbereich stehen.

Wenige Tage nach der Sachverständigensitzung und nach dem Formulieren der oberen Zeilen, kommt das Protokoll der Kultusministerkonferenz (die machen die Schullehrpläne zur neuen Verordnung). Diskutiert wird u.a., dass die schriftliche Prüfung für alle Fachrichtungen in ganz Deutschland gleich sein und die Prüfungsaufgaben von der Berufsschule stammen sollen. Die Prüfung fände dann in der Schule statt und diese Noten zusammen mit einer Schulabschlussprüfungsnoten gehen dann in die Abschlussprüfung ein. Damit würde dann die schriftliche Abschlussprüfung komplett in der Verantwortung der Schule liegen, die jeweiligen Prüfungsausschüsse wären, obwohl rechtlich zuständig und verantwortlich, völlig ohne Einfluss bei der schriftlichen Prüfung. Die Gewerkschaft IG BAU findet diesen Vorschlag nicht sinnvoll, da so die duale Berufsausbildung unterlaufen wird. Wenn die schulische und die betriebliche Berufsausbildung vermischt wird, sieht die Pferdewirtgewerkschaft die berufliche Qualifizierung der Pferdewirte in Gefahr. Bei einer zunehmenden Verstaatlichung und Verschulung wird das bewährte duale System in Frage gestellt. Jetzt versteht man erst richtig, warum die Kultusministerkonferenz dringend darum "bittet", ganze Prüfungsbereiche komplett schriftlich zu gestalten, damit sie dann ganz in die Zuständigkeit der Schulen übergeht. Man kann nur hoffen, dass sich alle Sachverständigen bei der Neuordnung des Berufes Pferdewirt dieser Gefahr bewusst sind und schriftliche und praktische Prüfungen gut mischen und so in der Verantwortung des jeweiligen Prüfungsausschusses belassen.

Und dann entzündete sich eine ganz heiße Diskussion. Sollen Azubis sich ernsthaft mit dem Thema Doping bei den Pferden und aber auch beim Menschen auseinander setzen? Mehrheitlich die Sachverständigen aus der Praxis meinen, dass es völlig reicht, in der Verordnung stehen zu haben, dass Azubis die jeweiligen Regelwerke kennen, denn da steht ja schließlich drin, dass Doping nicht erlaubt ist. Was würde das für einen Eindruck machen, wenn das Wort Doping in einem Beruf auftauchen würde! Die IG BAU ist da anderer Meinung. Gerade ein Beruf, der direkt an der Schnittstelle zum Turniersport und dem ganz großen Geld steht, muss sich klar und deutlich dazu bekennen und entsprechend seinen Nachwuchs ausbilden, auf unseriöse Mittel der Leistungsbeeinflussung zu verzichten. Die Pferdewirtgewerkschaft IG BAU ist sich sicher, dass der offene Umgang mit fragwürdigen Methoden im Pferdebereich wesentlich besser für die Betriebe ist, als die derzeitige Praxis, möglichst den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass das Gewitter wieder abzieht. Dabei übersehen viele Arbeitgeber, dass es auch globale Wetterverschlechterungen gibt, die dann kaum noch zu verändern sind. Der Radsport lässt grüßen. Wie Recht die IG BAU mit ihrer Position hat, zeigt sich zufällig einige Tage später. Die Herzeige- Reiterin Isabell Werth setzt ihr Pferd unter Psychopharmaka. Unglaublich. Leider hat die IG BAU Recht, als sie schon vor Jahren davon sprach, dass scheinbar Regeln, Gesetze, Moral und Anstand auf gar nicht so wenigen Reitplätzen keine Geltung besitzen und ein feingliedriges Dopingnetzwerk schon seit längerem mit bisweilen maffiösen Strukturen besteht. Dabei wollte die IG BAU doch nur folgenden Passung in die Verordnung zum Pferdewirt aufnehmen und dies auch zum Prüfungsbestandteil machen:

"Pferdewirte sollen auf sportliche Vergleiche Pferde und Reiter nur durch Training und Ausbildung vorbereiten und die Bereitschaft besitzen, auf andere Methoden der Leistungsbeeinflussung zu verzichten."

Wie wichtig dieser Passus ist, zeigt die aktuelle "Erfolgsliste": Ulla Salzgeber, Isabel Werth, M.-M. Beerbaum, Ludger Beerbaum, Christian Ahlmann, Marco Kutscher, ... Das sind ja alles nur Turnierreiter? Nee, nee, ein Teil ist Pferdewirt und Pferdewirtschaftsmeister. 

 

Name gesucht! 

Hier könnt Ihr zum Namenspaten werden!(06.03.2009)

Der neue Pferdewirt kommt. Das ist sicher. Fünf Fachrichtungen wird es zukünftig geben: Klassisches Reiten, Pferderennen, Alternative Reitweisen, Zucht und, jetzt kommt das Problem, Haltung & Service. 

Mit der Fachrichtung Haltung&Service entsteht eine Fachrichtung, die sehr stark kundenorientiert arbeiten soll. Wesentlich dabei ist die professionelle Beratung von Amateuren über Pferdeverhalten, Fütterung, Haltung, Stallklima, Krankheiten, Hufpflege, Ausrüstung, usw. In der neuen Fachrichtung wird der Pferdewirt zum professionellen Partner von Pferdehaltern, ein Ratgeber für oft überforderte Amateure. 

Soweit so gut. Nur der Name für diese anspruchsvolle Fachrichtung wird noch gesucht! Wer hilft? Habt Ihr Vorschläge? Schreibt uns Sachverständigen. Wir hören auf Euch!

 
  Hallo,

ich finde die neue Einteilung sehr gut. Denn wenn ich überlege wie viele Pferdewirte Zucht und Haltung es gibt, die nie in ihrem Leben eine Stute zum Hengst gebracht haben, oder eine Fohlengeburt gesehen haben.

Das ist wirklich ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Wie der Bereich Haltung heißen soll? Warum kann man es nicht Pferdewirt Haltung lassen? Warum muß noch Beratung oder Service dahinter? Ok, die Bezeichnung Pferdewirt Haltung und Service/ oder Beratung wäre auch ganz angemessen.

Wie wird das dann künftig laufen, müssen bisherige Pferdewirte sich dann noch entscheiden ob sie Pferdewirt Zucht oder Pferdewirt Haltung sein möchten? Denn die haben ja eigentlich im theoretischen Sinne beide Fachrichtungen erlernt.

Viele Grüsse!

Anke Stüssel

Hallo Anke, für die "Alten" bleibt alles beim Alten. Noch ein Hinweis zum Namen: Wir wollen weg vom Edelmister. So einen Beruf wollen wir nicht!

Erst einmal ein ganz großes Lob an das Team der Seite. Das Engagement ist einfach spitze! Ich habe mir auch ein paar Gedanken zu der Namensgebung der neuen Sparte gemacht, dabei bin ich auf: Pferdewirt - (Mentor &) Freizeitassistent gekommen. Die Bezeichnung Freizeitassistent klingt meiner Meinung nach kompetent und ansprechend, jedoch nicht so abschreckend, dass man sich nicht "traut" einen Profi zu fragen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass dieser Pferdewirt in einen anspruchsvollen und alternativen Pensionsstall passt und als Teilzeitangestellter bei dem Inhaber angestellt ist um fachspeziefische Unterstützung zu geben, jedoch selbständig ein Nebengewerbe betreibt um beratend beim Pferdekauf tätig zu sein, des Weiteren berät er beim Sattelkauf (bzw. bei der Auswahl der Ausrüstung) und bei der richtigen Wahl der Reitweise für Mensch und Pferd. Vlt. kann dieser Pferdewirt auch einen FN Reitlehrer machen und individuellen Reitunterricht anbieten. Ich drücke weiterhin ganz fest die Daumen für die "Reformierung" der Pferdewirte! Mit freundlichen Grüßen Natalie Maholick

Hallo Natalie, schöner Name. Ehrlich, aber nicht machbar. Warum? Der Assistent ist ein fester Begriff. Es gibt ihn, wenn einer eine Assistenten-Schule für ein Jahr nach der Regelschule besucht. Also ganz tief unter dem Pferdewirt. Assistent hört sich doll an, ist aber eigentlich nur heiße Luft. Noch ein kleiner Hinweis zu Deinem Halbtagsvorschlag: Alles gut gedacht, aber Lohnfortzahlung gibt es dann bei Krankheit nur auf den Halbtagsjob. Gleiches gilt für die Rente. Ein Leben bei Krankheit und Alter, das in bitterer Armut endet. Vielen lieben Dank für Deine Gedanken und Dein Engagement. 

 
 
 

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Ganze Parade! Danach im Arbeitstempo wieder anreiten! ( 19.09.2009)

Nachdem durch viele missverständliche und teils widersprüchliche Informationen die Sachverständigen mit grundsätzlich anderen Prüfungsmodellen im Kopf ihre Arbeit machten und sich dabei ständig im Kreise drehten, organisierten die IG BAU- Sachverständigen eine ganze Parade zum Halten. Dabei wurde einmal durchgeatmet und die Struktur einer zukünftigen Prüfung festgelegt. Immerhin hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf eine prozessorientierte Prüfung festgelegt, nur jeder verstand darunter wohl etwas anderes. Hier jetzt die Definition einer prozessorientierten Prüfung:

Die vom Gesetzgeber (Berufsbildungsgesetz) geforderte Berufliche Handlungsfähigkeit wird durch eine prozessorientierte und handlungsorientierte Prüfung festgestellt und bewertet. Die Prüfungsausschüsse stellen an die Azubis eine konkrete, berufstypische Anforderungssituation, die der Prüfling dann 

1. durchdenken,

2. planen,

3. selbständig lösen sowie teilweise dokumentieren und

4. sein Ergebnis selber beurteilen 

können muss. Dieser komplexe Prozess, deshalb prozessorientierte Prüfung, ist vom Prüfungsausschuss zu beobachten, zu hinterfragen, zu dokumentieren und zu bewerten.

Da solche berufstypischen Arbeitsprozesse nicht in wenigen Minuten zu schaffen sind, werden die Zukünftigen Prüfungsaufgaben nicht mehr aus einer bunten Mischung rund um den Pferdewirt bestehen können. Ebenso sind reine Wissensabfragen, so z.B. "Wie viele Wirbel hat das Pferd?" oder "Nenne die PAT- Werte!" nicht mehr zulässig. Demnächst wird in einer Prüfung z.B. dem Azubi ein Pferd gezeigt und dieses muss nach einer halben Stunde komplett gefüttert werden, mit allen Schikanen, wie z.B. Futtermittelauswahl, Rationsberechnung und Futtermittelzuteilung. Auch sollten Azubis damit rechnen, dass sie einen kompletten Stall/Stalltrakt sowohl aus Sicht der Aufstallung als auch des Stallklimas beurteilen müssen. Dazu gehört dann natürlich das selbständige Analysieren des Ist- Zustandes, wie z.B. Klimamessungen und dann die Beurteilung, wie gegebenenfalls das Stallklima verbessert werden kann. Die Aufgabe der Prüfer wandelt sich zum Beobachter, denn schließlich müssen die Azubis demnächst richtig arbeiten und handeln. Da kann nicht jeder Prüfer so einfach dazwischen gehen. Man stelle sich mal vor, da wird gerade eine Ration komplett durchgerechnet und der Prüfer stört ständig. Das geht ja gar nicht. 

Neue Anforderungen an die Prüfer, neue Anforderungen an die Azubis. Das wird spannend. Aber warum sollen Prüfer nicht auch noch wieder an die Schulbank? Schließlich reden sie doch immer vom lebenslangen Lernen. Recht geschieht Ihnen. Ach ja, die Ausbilder werden wohl auch noch mal Ihre Schulmappe aus der Abstellkammer holen müssen. Ach lebenslanges Lernen!

Eines ist heute aber schon ziemlich sicher: Wenn teilweise halb- oder ganzstündige Aufgaben zu einem einzigen Themenbereich (z.B. Stallklima, Pferdefütterung, Zaunbau, Reitplatzböden, Unterrichtsplanung, Gesundheitsstatus eines Pferdes, Kostenrechnung, Exterieurbeurteilung, Hufbeschlag, usw.) sowohl in der Praxis als auch in schriftlichen Arbeiten kommen werden, dann ist mit einfachem Auswendiglernen kurz vor der Prüfung das nicht zu schaffen. Es wird dringend, super dringend darauf hingewiesen, dass eine Abschlussprüfung beim Pferdewirt nicht mehr zu schaffen sein wird, wenn das Ausbildungsangebot der Berufsschule nicht angenommen wird. Das sollte jeder Azubi wissen, der ab Sommer 2010 seine Ausbildung beginnt. Und um den Berufsschulbesuch muss man nicht betteln, denn jeder Azubi hat das verbriefte Recht, während der Arbeitszeit die Berufsschule zu besuchen. Natürlich gehört der Weg mit zur Arbeitszeit. 

 

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