Pferdewirtprüfung

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Die Prüfungsausschuss tagt und entscheidet über Erfolg oder Misserfolg


Auch Prüfer müssen die Schulbank drücken
Prüferfortbildung
Warendorf 2001
Deutsche Reitschule und Landwirtschaftskammer Westfalen- Lippe

Merkmale eine Prüfung
Intimsphäre
Vergleichbarkeit
Transparenz
Validität
Objektiviertes  Prüfen

Ökonomisches Prüfen

Bewertungsfehler
Vorurteile
"Erster Eindruck"
Sympathiefehler
Selektierte Wahrnehmung
Tendenzen 

Weltbild
Tendenzzierung
Katalogisierung

Konsequenzen
Standardisiertes Vorgehen
Verbindlicher Aufgaben- und Fragenkatalog
Musterlösungen
Erwartungshorizont
Breefing

Standardisierte Notenfindung

 

 

 

 

Praktische Prüfungsaufgaben sind aussagefähiger als Prüfungsgespräche

 

 

 

 

 

Auch am Modell können Prüflinge ihr Wissen zeigen

 

 

 

 

 

 



Das Abschlusszeugnis ist das Ziel aller Prüflinge und auch der Prüfer

 

 

 

Schwafeln und Labern ade!

 

Prüflinge bekommen praxisorientierte Aufgaben übertragen

Mal eben auf die theoretische Prüfung vorbereiten klappt nicht mehr!

Stationsprüfungen und schriftliche Klausuren deutlich aufgewertet

Prüfer bekommen mehr Zeit für die Teilprüfungen

Eine Prüfung für Profis muss auch professionelles Können abfragen

 

Prüferfortbildung:

Auch Prüfer müssen die Schulbank drücken

Warendorf. Selbst langgediente Prüfer quetschen sich immer mal wieder hinter die Schulbank, um sich über den neuesten Stand der Prüfungspsychologie informieren zu lassen und darüber zu diskutieren, wie die Abschlussprüfungen im Beruf Pferdewirt noch besser durchgeführt werden können. So geschehen am 03.12.01 in Warendorf, wo die Landwirtschaftskammer Westfalen- Lippe und die Deutsche Reitschule zusammen zu einer bestens vorbereiteten Prüferfortbildung für alle Prüfer im Schwerpunkt Reiten eingeladen hatten.

Eine gute Wahl hatten die Veranstalter getroffen, den Diplom- Psychologen Peter Maas aus Düsseldorf einzuladen. Einen ganzen Tag lang, ohne den sonst üblichen Zeitdruck, konnte man sich über neue Entwicklungen informieren und ausführlich darüber diskutieren, welche Konsequenzen das für zukünftige Abschlussprüfungen haben soll. Eines allerdings machten Hannes Müller von der Deutschen Reitschule und Friedrich Schäfers von der Landwirtschaftskammer Westfalen- Lippe aber schon einmal deutlich: Mit dieser Prüferfortbildung haben sich alle Beteiligten eine große Menge Hausaufgaben aufgegeben, die es jetzt gewissenhaft zu erledigen gilt.

www.pferdewirtpruefung.de stellt das Referat von Peter Maas in Kurzform dar und versucht dabei, die Inhalte so anschaulich wie möglich zu schildern:

Prüfungspsychologie

1. Merkmale einer Prüfung

Intimsphäre schützen. Alle Fragen eines Prüfers dürfen nur mit der Prüfung zusammenhängen. Das gilt auch für sog. Auflockerungsfragen. Nie vom Prüfungsinhalt abweichen. Immer einen Fragekatalog benutzen. Eine Prüfung kann niemals persönlich sein.
Vergleichbarkeit. Rahmenbedingungen, Informationsstand über Prüflinge, Aufgaben, usw. müssen immer für alle Prüflinge gleich sein. Prüfer neigen dazu, alle Stationen gut oder schlecht zu bewerten ("Das ist ein Guter, dann ist der auch bei mir gut"). Jede Prüfungsstation muss deshalb unabhängig geprüft, die Ergebnisse erst am Ende zusammengefügt werden. Nie eigene Prüflinge prüfen (Lehrer - Schüler oder Ausbilder - Auszubildender). 
Transparenz. Prüflingen müssen eine genaue Kenntnis über den Ablauf der Prüfung haben. Die Prüfer sollten immer vorher mitteilen, worauf es bei dem Prüfungsteil ankommt, also den Erwartungshorizont nennen. Transparenz kann auch heißen, das Erwartungsniveau zu definieren ("Eine Aufgabe ist gut/schlecht gelöst, wenn ...") und im Internet zu veröffentlichen sowie Aufgaben-/Fragenkatalogen herauszugeben. (Anmerkung von www.pferdewirtpruefung.de: Eine Bestätigung für dieses Online- Forum und die zugehörige Lern- CD). Beobachten können Prüfer nur Verhalten, niemals die Persönlichkeit. Entscheidend ist, was ein Prüfling zur Prüfung kann und nicht, was er weiß. Die prognostische Grenze ("Der wird seinen Weg machen", "Das wird mal eine ganz Gute", "Der ist in unserem Beruf falsch!") beträgt maximal 2 Jahre.
Validität (Aussagekraft). Prüfungen sollen generell aussagefähig sein. Eine Prüfung hat nur eine Aussagekraft, wenn die Prüfungskommission vorher definiert, was die Prüfung aussagen soll und wie man dieses messen (prüfen) will. 
Objektiviertes Prüfen. Objektive Prüfungen wird es bei Menschen nicht geben. Deshalb versucht man, so objektiv wie möglich zu prüfen, man nähert sich dem Ziel, dass man aber nicht erreichen wird. Dazu gehört Durchführungsobjektivierung (Uhrzeit, Wetter, Pferde, Prüfer, gleiche Prüfungsfragen, ...), Auswertungsobjektivierung (Prüfer müssen gleiche Dinge sehen und messen, Auswertungstechnik, ...), Interpretationsobjektivierung (Notenfindung)
ökonomisches (angemessenes) Prüfungsverfahren.

2. Bewertungsfehler (Darauf fallen Prüfer rein)

"Erster" Eindruck. In nur 30 Sekunden hat man sich einen ersten Eindruck gemacht, der hartnäckig hängen bleibt. Die ersten dreißig Sekunden bestimmen manchmal über Erfolg/Misserfolg.
Vorurteil. Ein Prüfer weiß  etwas von einem Prüfling ("Der kommt aus einem guten Betrieb").
Sympathiefehler (Der Prüfer mag den Prüfling nicht, weil er  dessen Chef nicht mag).
Selektive Wahrnehmung. Bei sympathische oder guten Prüflingen sucht man nur das Positive, bei unsympathischen oder schlechten Prüflingen sieht man nur das Schlechte.
Tendenzen ("Das ist ein ganz Harter!", "Bei dem bestehen alle!")
Weltbild. Ein Prüfer gibt immer nur durchschnittliche Noten, weil er den Konflikt scheut, gute oder schlechte Noten vertreten zu müssen (Eine Drei tut keinem weh, es wird auch nie beschwerden geben).
Tendenzzierungsfehler. Ein Prüfer richtet sich immer nach der Gruppenmeinung aus (Wenn Der das sagt, wird es schon richtig sein.)
Kategorisierung ("Alle Lehrer sind faul!", "Alle Ossis sind ...). Attraktive Menschen haben bessere Chancen, auch in Prüfungen.

3. Konsequenzen

Standardisiertes Vorgehen des Prüfers. Unterschiedliche Prüfer werden gleich, die Chancengleichheit des Prüflings steigt, der Prüfer wird für den Prüfling berechenbarer.
Nur standardisiertes Vorgehen von Prüfern kann Bewertungsfehler vermeiden. Dazu gehört ein verbindlicher Aufgaben- und Fragenkatalog, ein festgelegtes Erwartungsniveau sowie objektivierte Notenfindung.
Verbindlicher Aufgaben- und Fragenkatalog muss erstellt werden. Dazu gehört eine Musterlösung.
Breefing. Da Prüfer nicht jeden Tag prüfen (schon nach einer Woche ist man wieder raus), muss vor jeder Prüfung ein Breefing ("Einsatzbesprechung") vorgesehen werden.
Verbindlicher Aufgaben- und Fragenkatalog muss erstellt werden. Dazu gehört eine Musterlösung.
Prüfer können entweder nur prüfen oder nur protokollieren.
Prüfer können immer nur eine Sache zur Zeit tun, sonst ist man überfordert!
Es ist egal, wie ein Ziel erreicht wird, wesentlicher ist, dass der Weg zum Ziel geführt hat.
Anforderungsprofil verbindlich festschreiben (Das Niveau, die Schwere der Fragen/Aufgaben festlegen).
Prüfungsgespräche haben eine Fehlerquote von 50% (Dann kann man auch würfeln), Aufgaben geben und lediglich beobachten hat eine Fehlerquote von 20%. Konsequenz: Weg vom Frage-Antwort-Spiel und hin zur Aufgabenerteilung. Umbau der jetzigen Stationen.
Gleiche Vorinformationen für alle Prüfer. Entweder alle Prüfer wissen alles oder alle wissen nichts.
Wechselnde Prüfungskommissionen
Unterschiedliche Noten verschiedener Prüfer von maximal 1 Note sind normal (3,3,4,3). Abweichungen von zwei und mehr Noten sind nicht normal (3,5,4,3).
Prüfungen und Notenfindung müssen dokumentiert werden.
Prüfer müssen sich regelmäßig fortbilden. Nur wenn alle Prüfer an den Fortbildungen teilnehmen, haben sie die gleiche Ausbildung, Voraussetzung für standardisiertes Prüfen.

Spruch des Tages:

"Im Land der untergehenden Sonne werfen Zwerge lange Schatten."

Prüferfortbildung Februar 2007

Neu

Neugestaltung der Zwischen- und Abschlussprüfungen im Schwerpunkt Reiten 

Warendorf. Ab März 2002 werden alle Abschlussprüfungen des Berufes Pferdewirt im Schwerpunkt Reiten an der Deutschen Reitschule in einer neuen, veränderten Form stattfinden. Dieses ist der Beschluss einer Arbeitsgruppe, die im Auftrage der Landwirtschaftskammer Westfalen- Lippe im Februar tagte und jetzt im Juni 2002 erste Erfahrungen der neuen Prüfung sammeln und auswerten konnte .

Vorbei sind die Zeiten, in denen nur stur auswendig gelerntes Wissen abgefragt wird. Vorbei auch die Zeiten, mal eben in Tag- und Nachtschichten sich das notwendige Wissen noch kurz vor der Prüfung aneignen zu können, denn ab sofort werden die Prüfer ihren Prüflingen komplexe, handlungs- und praxisorientierte Aufgaben auftragen und sich dann nur noch als Beobachter betätigen. Dabei lässt sich viel besser herausfinden, welches Wissen und welche Fähigkeiten ein Prüfling im Umgang mit dem Pferd während seiner Ausbildung erworben hat. 

Sinnlose Fragen, beispielhaft "Wie viele Wirbel besitzt ein Pferd?", gehören endlich in die Klamottenkiste der Pferdewirtprüfungen. Stattdessen muss ein Prüfling jetzt damit rechnen, ein Stück Kreide in die Hand gedrückt zu bekommen und den Verlauf der Wirbelsäule, die Lage der Nackenbänder einzeichnen zu müssen und obendrein noch fähig sein, zu erklären, was das alles mit dem Reiten und dem Exterieur des Pferdes zu tun hat. 

Vor Beginn einer Stationsprüfung erhält jeder Prüfling eine Aufgabe zugelost, auf die er sich dann ca. 10 Minuten vorbereiten kann. Wiederum 10 Minuten stehen dann für die eigentliche Prüfung zur Verfügung, in der der Prüfling am Pferd oder am Material erklärt, begründet und demonstriert. Der einzige, der dann agiert ist der Prüfling, die Prüfer beschränken sich auf das Zuhören und führen Protokoll. Die Zeiten, in denen ein Prüfling genau das Wort sagen musste, welches der Prüfer hören wollte oder andere Prüfer ganze Lehrstunden abhielten, sind nun endlich vorbei. Jetzt zeigt der Prüfling was er kann und die Prüfer bewerten.

Ähnliches in den drei schriftlichen Klausuren: Keine Chance mehr für Schwafelkünstler, die ihre Klausuren nach dem Motto schrieben: Möglist viel, möglichst unverbindlich, möglichst im Stile des Reitabzeichens  und hauptsächlich freundlich lächeln, irgendwas wird schon richtig sein, eine Drei wird es schon werden. 

Jetzt werden in drei Klausuren jeweils drei komplexe Aufgaben gestellt, für deren Beantwortung insgesamt drei Zeitstunde zur Verfügung stehen. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass Zusammenhänge dargestellt werden und Wissen begründet wird. Ebenso erwarten Prüfer von den Auszubildenden, dass sie Folgerungen herleiten können.

Folgende inhaltliche Schwerpunkte haben sich in den neu organisierten Prüfungsteilen (Stationen und Klausuren) ergeben:

Fachrechnen (Rechteck, Dreieck, Kreis, Körper (aus Rechteck, Dreieck, Kreis), Zinsen, Zeiten/ Geschwindigkeiten)
Umweltschutz, Tierschutz
Weidewirtschaft, tiergerechte Einzäunungen
Beurteilung von Heu und Stroh
Betriebswirtschaft (Organisation, Betriebszweige, Kosten, Fütterungskosten, Kostenvergleiche)
Lohnabrechnungen, Sozialversicherungen
Unfallverhütung
Pferdekauf
Straßenverkehrsordnung
Grundgesetz
Arbeitszeitgesetz, Bundesurlaubsgesetz
Tarifverhandlungen
Pferdezucht: LPO, Zuchtstatistik
Pferdefütterung: Rationsberechnung und Auswertung
Exterieur
Stallklima
Unfallschutz
Hufpflege/ Hufbeschlag
Verbände
Lahmheiten
Gesundheitsstatus
Vorbereitung auf Turniere
Zubehör/ Ausrüstung
Pilzbehandlung
Strahlfäule
Impfungen
Würmer
Sehnenverletzungen
Equidenpass, Identifikation
Allgemeinuntersuchung
Longieren: beobachten und beurteilen

Zur Vorbereitung auf die veränderte Prüfung im Schwerpunkt Reiten stellt www.pferdewirtpruefung.de den neuen 

Prüfungszeitplan Abschlussprüfung

Prüfungszeitplan Zwischenprüfung

  Beispielaufgaben 

zur schriftlichen Prüfung vor. So viel Transparenz muss sein.

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