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Pferdewirtprüfung |
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19. April
1998 |
Ausmisten gehört zum Job
Pferdewirt - ein Traumberuf, in der Realität jedoch ein hartes Brot
VON JULIANE VON ZEZSCHWITZ Für Annette ist es der Traumjob. Acht bis zwölf Stunden verbringt
sie täglich in der Reitschule, gibt Unterricht, bewegt Privatpferde
oder bildet jüngere Pferde aus. Vor zehn Jahren sattelte die gelernte
Landwirtin von schweren Landmaschinen auf Pferde um und wurde
Pferdewirtin. Heute ist sie fast an ihrem Ziel: nach der Fortbildung zum
Reitwart (der sie befähigt, Reitunterricht zu geben) strebt sie nun die
Meisterprüfung an. Als staatlich anerkannter Pferdewirtschaftsmeister
darf sie dann einen Pferdebetrieb selbständig führen und Lehrlinge
ausbilden. So schön es klingt, die Passion zum Beruf zu machen, so ernüchternd
sieht aber die Wirklichkeit aus. "Aus finanziellen Gründen
entscheidet sich niemand für einen solchen Beruf," erklärt die
32jährige Mutter zweier Kinder. "Meine Familie könnte ich mit
dem, was ich hier verdiene, nicht ernähren." Auch die dreijährige
Lehrzeit zum Pferdewirt ist für manchen Berufseinsteiger eine herbe
Enttäuschung. "Viele junge Leute kommen mit falschen Vorstellungen
hierher", betont Reimer Kehr, ehemaliger Gestütswärter, der sich
auf dem Reiterhof Schenkenhorst um die Auszubildenden kümmert.
"Sie denken, sie könnten den ganzen Tag Pferde streicheln und
wundern sich über die vielen täglichen Arbeiten, die hier sonst noch
verrichtet werden müssen." Schon während des zweiwöchigen Praktikums stellt sich für ihn
heraus, wer das Zeug zum Pferdewirt hat. "Wir sieben die Bewerber
aus", erklärt er. "Von den letzten 18 Praktikanten war bei 16
abzusehen, daß sie nicht mal die Probezeit durchhalten würden."
Nicht die Noten der Schulzeugnisse zählen - im allgemeinen wird der
Haupt- oder Realschulabschluß verlangt - sondern die charakterliche und
geistige Eignung für die recht harte Arbeit. Claudia ist eine der sechs Auszubildenden, für die ein Job im Büro,
wie ihn die Eltern lieber gesehen hätten, nie in Frage käme: "Da
hätte ich mich total eingesperrt gefühlt. Ich wollte immer etwas mit
Natur und Tieren machen," betont sie. Wie ihre größtenteils
weiblichen Mitlehrlinge wohnt sie auf dem Reiterhof und bekommt - nach
Lehrjahr gestaffelt - zwischen 550 und 750 Mark im Monat. Ihr Arbeitstag beginnt um 6 Uhr 30 mit dem morgendlichen Ausmisten
der Ställe. Dreimal am Tag müssen die 110 Pferde in Schenkenhorst gefüttert
werden. Manche werden auf die Koppel gebracht, andere - besonders die
Ponies, die immer draußen bleiben - werden für den Schulbetrieb von
der Weide zum Sattelplatz getrieben. Stallgasse, Sattelkammern und der
Hof müssen blitzeblank gefegt und das weitläufige Gelände sowie
Maschinen und Geräte in Ordnung gehalten werden. Dann fährt Claudia
mit dem Trecker herum, kontrolliert oder repariert die Zäune und lädt
Heuballen auf. Um 21 Uhr 30 wird ein letzter Stallrundgang gemacht und
noch einmal nach den Pferden gesehen. Zweimal in der Woche bekommt sie Reitunterricht, was ihr natürlich
am meisten Spaß macht. Je nach Art und Spezialisierung des Betriebs
wird der Schwerpunkt der Ausbildung entweder auf Zucht und Haltung oder
auf Reiten gelegt. Claudias Ausbildung bezieht sich auf den ersteren,
was bedeutet, daß sie vor allem in der Pferdepflege und -versorgung, in
Vererbungslehre, Rassen und Veterinärkunde, aber auch im
Transportieren, Führen und Longieren von Pferden unterrichtet wird. Begleitet wird die Ausbildung im Betrieb von einer alle vierzehn Tage
stattfindenden Berufsschulwoche. Nach dem ersten Jahr muß eine
Zwischenprüfung, nach dem dritten die Abschlußprüfung vor einer von
der Deutschen Reiterlichen Vereinigung bestellten Kommission abgelegt
werden. In überbetrieblichen Lehrgängen auf entsprechenden
Landesreitschulen oder Gestüten werden die Auszubildenden darauf
vorbereitet. "Leider gibt es immer noch Reitschulen, die sich nicht
an die Richtlinien halten und die Auszubildenden als billige Arbeitskräfte
ausnutzen", kritisiert Claudia. Informationen bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V.,
Postfach 11 02 65, 48231 Warendorf, t 02581 / 6362-0; |
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© 1998 Verlag DER
TAGESSPIEGEL |
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