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Pferdewirtprüfung |
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Vom Gestüt
bis zum Turnierplatz: Die Ausbildung zum Pferdewirt / Fleiß und
Verantwortungsbewusstsein gefragt
Von Kristina Faermann
Herford (mt). Musik kommt aus der Lautsprecherbox in der Ecke der
Reithalle. Mehrere Hindernisse sind in der Bahn aufgestellt, wo die siebzehnjährige
Katja Lohölter immer wieder unter den aufmerksamen Augen ihres Ausbilders ihre
Runden dreht.
Das besondere an dieser Reitstunde: Sie ist für Katja Ausbildungsalltag - denn
sie ist im ersten Jahr ihrer Lehre zum Pferdewirt mit dem Schwerpunkt Reiten.
Und ihr Ausbilder ist der ehemalige Nationenpreisreiter Ulrich Meyer zu Bexten.
"Ich reite schon seit gut zehn Jahren, und das zum Beruf zu machen ist mein
absoluter Traum", erklärt die angehende Sportreiterin, die im Januar ihre
erste Platzierung in einem M-Turnier in Herford erringen konnte. Darauf ist sie
sehr stolz.
Hinter der Bezeichnung Pferdewirt verbergen sich mehrere Berufsfelder rund um
das Pferd. Die Ausbildung zu diesem anerkannten Beruf ist in vier Schwerpunkten
möglich: Zucht und Haltung, Reiten (Ausbildung zum Bereiter), Rennreiten
(Ausbildung zum Jockey) und Trabrennfahrer. Das geht natürlich nur bei den
spezialisierten Betrieben, etwa einer Reitschule, einem Pferdezüchter oder
einem der recht dünn gesäten Sport- oder Rennreitbetriebe.
Je nach Schulabschluss oder vorheriger Ausbildung dauert die Lehrzeit zwei bis
drei Jahre. Dazu gehört natürlich auch der Besuch der Berufsschule. Im
Anschluss an die Ausbildung kann nach einer dreijährigen Tätigkeit in dem
entsprechenden Bereich eine Weiterbildung zum Pferdewirtschaftsmeister
absolviert werden. Sie ersetzt die frühere Prüfung zum Berufsreitlehrer (FN)
oder Staatlich geprüften Reitlehrer, Gestütsmeister oder Trainer im Galopp-
oder Trabrennsport.
Die Anforderungen sind schon während der Lehrzeit hoch: "Wer sich für
diesen Beruf entscheidet muss nicht nur eine große Liebe zum Pferd mitbringen,
sondern auch viel Durchhaltevermögen, Disziplin und Fleiß", erklärt
Ulrich Meyer zu Bexten. Und, wer ehrgeizig ist wie Katja, braucht dazu noch viel
Talent und sehr gute Reitkenntnisse. "Ich habe meine Ausbildung an der
westfälischen Reitschule in Münster begonnen, doch dort hätte ich nur an sehr
wenigen Turnieren teilnehmen können. Das war mir zu wenig", so die junge
Reiterin.
Sie ist froh, jetzt auf dem Betrieb von Meyer zu Bexten zu sein. Auf der weitläufigen
Anlage sind 40 bis 50 Pferde untergebracht - einige sind von Privatleuten
eingestellt, doch der überwiegende Teil soll zum Turnierpferd ausgebildet und möglichst
erfolgreich verkauft werden - da wird die Teilnahme an den verschiedensten
Turnieren zu einem selbstverständlichen Teil der Ausbildung, sogar auf dem Hof
selbst: "Im Juli richten wir hier zum zweiten Mal nach 1999 als
internationales Nachwuchs-Turnier die ,German Friendships 2001Õ aus", so
Ulrich Meyer zu Bexten. Zu dem Pferdesportereignis unter der Schirmherrschaft
von Hans Günter Winkler und Prinzessin Haya von Jordanien werden Kinder und
Jugendliche aus aller Welt anreisen - und jede Menge "ausgewachsene"
Reiterprominenz.
Doch viel Zeit für große Träume bleibt nicht: "Vor dem Reiten kommt erst
einmal die Pflege", macht Meyer zu Bexten deutlich. Das sei übrigens auf
allen Betrieben, egal ob Zucht oder Sport im Mittelpunkt stehen, gleich.
Arbeitsbeginn ist auf dem Hof zwischen 6.30 und 7.30 Uhr. Dann werden die Pferde
gefüttert, versorgt und geputzt, die Ställe sauber gemacht. "Der Tag ist
lang, und das Reiten ist ja nur ein Teil der Ausbildung."
Und ein anstrengender noch dazu: "Zur Zeit muss ich neben den Reitstunden
im Schnitt noch sechs Pferde pro Tag bewegen", erklärt Katja Lohölter.
Sie wohnt auf dem Bextenschen Hof und isst mit der Familie, wie die anderen
Angestellten auch, zu Mittag. Im Schnitt hat sie einen freien Tag pro Woche,
jedoch nach Absprache mit ihrem Ausbilder - je nachdem, wie viel Arbeit gerade
anfällt.
In einem erfolgreichen Turnierstall zu lernen ist für angehende Pferdewirte
eher die Ausnahme - es gibt nicht sehr viele. Die Nachfrage ist daher groß.
Ulrich Meyer zu Bexten: "Bei mir sind in der Regel jeweils zwei Lehrlinge
beschäftigt, die ich mir sehr genau aussuche." Wer eine Chance haben will,
muss sehr gut reiten können und überdurchschnittlich motiviert sein. Im
vergangenen Jahr hätten sich bei Meyer zu Bexten rund 40 Bewerber um eine der
begehrten Stellen bemüht.
Im allgemeinen seien die Berufsaussichten für fertige Pferdewirte nicht
schlecht: Man könne in der umfangreichen Turnierindustrie Arbeit finden, auch
der wachsende Markt der Freizeitreiter biete bei entsprechenden
Zusatzqualifikationen relativ gute Chancen. "Schwierig wird es allerdings,
sich als Reiter im Turniersport durchzusetzen", so Meyer zu Bexten.
"Von den wirklich ambitionierten Lehrlingen haben vielleicht so um die 20
Prozent eine Chance, sich da zu etablieren."
Weitere Informationen zum Beruf des Pferdewirtes gibt es bei der
Landwirtschaftskammer Westfalen- Lippe, Schorlemerstraße 7, 48143 Münster. Über
den Schwerpunkt Reiten informiert auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung,
Postfach 11 02 65, 48231 Warendorf.
copyright by mt-online.de (Mindener Tageblatt)
20.03.2001
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