|
|
||||||||||||||||
|
In einer Zeit als Pferde in der Landwirtschaft und beim Militär noch eine bedeutende Rolle spielten, waren der Bereiter, der Reitlehrer und der Gestütswärter hoch angesehene Berufe, in dem sogar akademische Grade erreichbar waren. Die Ausbildung übernahmen zur damaligen Zeit Kavallerieschulen sowie die Preußische Gestütsverwaltung. Erst mit der Entwicklung unserer Freizeitgesellschaft fand der Beruf in der Mitte der 70er Jahre wieder vermehrt Beachtung, und die Ausbildung wurde durch das Berufsbildungsgesetz erfasst. Als typischer Dienstleistungsberuf deckt er alle Bereiche des Pferdesports und der Pferdezucht ab. Pferdewirte
des Schwerpunktes Reiten sind als Selbständige oder Angestellte in
einem Reit- oder Turnierstall zuständig für die Pflege und Ausbildung
bzw. den Beritt und unter Umständen für die Vorstellung der ihnen
anvertrauten Pferde auf Turnieren. Im Schwerpunkt Zucht und Haltung sind
die Pferdewirte in Gestüten mit der Pflege, Zucht und Aufzucht von
Pferden beschäftigt. Pferdewirte der Schwerpunkte Rennreiten
bzw. Trabrennfahren arbeiten
in den jeweiligen Rennställen mit den Pferden und pflegen sie. Die
besonders qualifizierten unter ihnen haben die Möglichkeit als Jockey
oder Trabrennfahrer die Pferde in Rennen vorzustellen.
|
Während
der dreijährigen Ausbildung wird von den Jugendlichen ein hohes Maß an
körperlicher Belastungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft erwartet. Die
tägliche Versorgung der Pferde sowie die Turnier- bzw. Rennteilnahme
kennt keine Sonn- und Feiertagsruhe, so dass 50 bis 60
Wochenarbeitsstunden ohne Ausgleich keine Seltenheit sind.
Bei der regelmäßigen Befragung vor der Abschlussprüfung ist es daher nicht verwunderlich, dass 35% der Befragten angeben, diesen Beruf nach der Prüfung nicht ausüben zu wollen. Die Beschulung der Pferdewirte findet in Bezirks- und Landesfachklassen statt. Auf Wunsch der Ausbildungsbetriebe ist der Unterricht in Teilzeitform organisiert. In den ersten zwei Ausbildungsjahren werden alle vier Schwerpunkte des Ausbildungsberufs gemeinsam unterrichtet und zwar in folgenden berufsbezogenen Fächern:
|
Im
letzten Ausbildungsjahr findet eine Spezialisierung für die einzelnen
Schwerpunkte an den dafür vorgesehenen Schulstandorten statt. Die
Reiter, Rennreiter und Trabrennfahrer vertiefen ihre Kenntnisse in
Pferdefütterung, Haltung und Pflege und vor allem in Ausbildung und
Training, wogegen die Züchter ihre Kenntnisse besonders in der Pferdezüchtung
erweitern. Für die Reiter findet unmittelbar vor der Abschlussprüfung
ein zweiwöchiger Vorbereitungslehrgang an der Deutschen Reitschule in
Warendorf statt, in dem die Auszubildenden eine Wiederholung
theoretischer Inhalte ihrer Ausbildung erfahren, vor allem aber jene
Pferde kennen lernen sollen, auf denen sie ihre praktische Prüfung im
dressurmäßigen Reiten und Springen absolvieren werden.
Von den Pferdewirten des Schwerpunktes Zucht und Haltung werden in der Abschlussprüfung Grundkenntnisse im Reiten und Longieren verlangt sowie Fertigkeiten im Umgang mit Pferden. Dabei geht es zum Beispiel um das Erkennen von Krankheiten, um das Beurteilen, Vorführen und Pflegen der Pferde. Mit der starken Zunahme der Pferdezahlen in den letzten Jahren und der damit verbundenen erhöhten Nachfrage nach Fachkräften haben junge Menschen mit der Ausbildung zum Pferdewirt / zur Pferdewirtin zur Zeit beste Berufsaussichten.
|
||||||||||||||