|
Schuften,
Satteln, Siegen
Wer mit Pferden aufwächst, kann sie entweder irgendwann nicht mehr
ausstehen oder er kann sie nicht mehr lassen. Susanne Groß (Name von
der Redaktion geändert) war zehn, als sie sich zum ersten Mal in den
Sattel schwang. Ihr erstes eigenes Pferd war ein Pony, „weil ich immer
so klein und zart war”, sagt das quirlige Mädchen. Als sie 17 war,
begann sie eine Lehre als Pferdewirt. „Da kannst du dich später
selbstständig machen”, hatte ihr Vater gesagt. Der führte den kleinen
Reitverein nur als Hobby. Aber ihm gehörten das weiße, alte Haus, die Ställe
und der Reitplatz mitten in München. Also lernte Susanne. Beim
Bayerischen Landesamt für Pferdezucht und Pferdesport in Riem machte sie
zunächst das, was sie zu Hause auch getan hatte: Misthaufen aus den Boxen
gabeln, frisches Stroh aufschütteln, Futtertröge füllen und den Staub
aus dem Fell ihrer Schützlinge bürsten.
Pferdewirte müssen sich mit Futterlehre beschäftigen, müssen den
Pferdekörper von Knochen über Sehnen bis zu Innereien kennen lernen, die
wichtigsten Krankheiten und Medikamente kennen und wissen, was im Notfall
zu tun ist, bis der Tierarzt kommt. Außerdem lernen sie natürlich
reiten. Denn Pferdewirte sind auch Reitlehrer. Häufig sogar die besseren:
Reitlehrer ist keine geschützte Berufsbezeichnung, jeder darf sich so
nennen. Pferdewirte hingegen werden in Dressur- und Springreiten und im
Unterrichten ausgebildet und geprüft. Seit sie den Reitverein von ihrem
Vater übernommen hat, hat Susanne Groß den Reitplatz vergrößert. Fünf
Pferde für den Reitschulbetrieb stehen da und elf Pferde von
Privatbesitzern. Und ihre beiden Lieblinge, die sie für frühes Aufstehen
bei jedem Wetter, Gliederschmerzen und „nur eine Handvoll Geld”
Verdienst entschädigen. „Junge Mädchen glauben oft, Pferdewirt ist ein
Traumberuf, aber dann halten viele es körperlich gar nicht aus”, sagt
Susanne. Sie schafft es, neben der anderen Arbeit auch noch drei Stunden
am Tag ihre beiden Pferde zu trainieren, damit sie in höchster
Geschwindigkeit die schwierigen Geländestrecken und Sprünge der
Vielseitigkeitsturniere bewältigen. „Das ist ein irrer
Nervenkitzel. Pferd und Reiter müssen richtig zusammengeschweißt
sein”, erzählt sie begeistert. „Solange ich reiten und auf Turniere
gehen kann, bin ich zufrieden!”
Weitere
Berufe,
in denen es sich um das Tier dreht
Pferdewirt/-in auf einen Blick
Voraussetzungen:Hauptschulabschluss,
besser noch ist die Mittlere Reife, Mindestalter 18 Jahre.
Persönliche
Voraussetzungen:
Tierliebe, Willensstärke, reiterliches Talent und Reiterfahrung, große
Einsatzbereitschaft wegen unregelmäßiger Arbeitszeiten.
Ausbildungsdauer: Drei
Jahre, Abiturienten können teils auf zwei Jahre verkürzen. Es gibt zwei
mögliche Schwerpunkte in der Ausbildung: Pferdewirt mit Schwerpunkt
Reiten oder Pferdewirt mit Schwerpunkt Zucht/Haltung.
Ausbildungsvergütung/Anfangsgehalt:
Ca. 870 Mark
im ersten Jahr,
ca. 920 Mark im zweiten,
ca. 1.000 Mark im dritten. Anfangsgehalt
ca. 2.700 Mark brutto im Monat. Weiterbildung: Meister.
Aufstiegschancen:
Selbstständigkeit mit eigenem Reitbetrieb.
Informationen:
Deutsche
Reiterliche Vereinigung e.V., Postfach 11 02 65, 48204 Warendorf, Tel. 0
25 81/6 36 20,
Fax 0 25 81/6 36 22 08 (verschickt gegen 10 Mark in Briefmarken ausführliche
Informationen).
Bundesvereinigung der Berufsreiter im DRFV e.V.
|