Pferdewirtprüfung

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Jugendsport

Sport-Job

In die Hufe gekommen

Ab sofort wird U 18 in unregelmäßigen Abständen über die Ausbildung zu sportbezogenen Berufen berichten. Heute zum Auftakt: Pferdewirtin.

Von MANFRED BODE

Sind Pferdewirte Inhaber von Restaurants, in denen Pferdesteaks und Rossbratwürstchen serviert werden? In Zeiten, wo sich "Comedy-Sendungen" besonderer Beliebtheit erfreuen, muss sich Marisa Bock auch solche Fragen gefallen lassen. Die 18-jährige Hamburgerin begann vor anderthalb Jahren mit der Lehre zum Pferdewirt (Schwerpunkt Traben). Nach der Abschlussprüfung im Juli 2001 wird sie "Berufsfahrerin" sein. Die Meisterprüfung zum Pferdewirt kann sie nach dreijähriger Rennpraxis, aber frühestens im Alter von 25 Jahren, anschließen.Marisa war schon in der Kindheit klar, dass sie sich später mit Pferden beschäftigen würde. "Hufgeräusche habe ich wohl schon im Bauch meiner Mutter mitbekommen", erzählt Marisa von Mutter Inka, die im Sulky viele Erfolge errang, und noch Trabrennen fuhr, als sie schon schwanger war.
    Das Hobby der Mutter und die züchterische Leidenschaft des Großvaters Karl Bock, der einst Mitbesitzer des Weltklassetrabers Sea Cove war, brachten Marisa Bock früh mit Pferden in Kontakt. Erste Wettkampferfahrung sammelte sie mit ihrem Pony Gipsy.
   Insofern war es nicht verwunderlich, dass es die dunkelhaarige Marisa nach Abschluss der mittleren Reife auch beruflich zu den Pferden zog. "So wie Jungs Piloten werden wollen, wollte ich Tierarzt werden", erinnert sie sich. Trabrennfahrerin sei zwar eigentlich dritte Wahl gewesen. "Aber da ich für die Jockey-Lehre mit 55 Kilogramm zu schwer war und mir nicht die Qual auferlegen wollte, mein Gewicht niedrig halten zu müssen, habe ich mich für die Traber entschieden."
   Für diesen speziellen Ausbildungszweig des Pferdewirtes - die anderen sind Reiten sowie Zucht und Haltung - entschieden sich in den letzten drei Jahren in Hamburg und Schleswig-Holstein 18 von 113 jungen Leuten; 85 Prozent sind Mädchen.
   Trotz dieser weiblichen Dominanz ist die berufliche Perspektive für Frauen im Trabrennsport schlecht. Sie unterliegen dem Vorurteil, im Rennen nicht "hart" genug zu sein, um sich gegen die Übermacht der Kollegen durchzusetzen. Die Pferdebesitzer, die für einen Traber monatlich rund 1500 Mark aufwenden und diese Kosten durch Rennpreise reduzieren möchten, vertrauen eher den Männern. Auf der Hamburger Trabrennbahn gibt es neben Marisas Ausbilderin Birgit Riese nur noch zwei weitere selbstständige Trainerinnen (Pferdewirte). "Pferde sind mein Leben", sagt Marisa Bock. Ihr macht es nichts aus, sieben Tage mindestens von 9 bis 18 Uhr zu arbeiten - nach Abendrenntagen in Hamburg oder Elmshorn wird es sogar Mitternacht, bis die Pferde auf dem Hof von Trabertrainerin Birgit Riese in Poppenbüttel abgeladen und versorgt sind.
   In der Regel beginnt der Tag auf einem Traberhof gegen 7.30 Uhr mit dem Füttern. Weil Lehrherrin Birgit Riese diesen Part selbst übernimmt, fängt Marisa Bock, die im benachbarten Norderstedt wohnt, um 9 Uhr mit Ausmisten und Einstreuen der Boxen an. Nach der Frühstückspause folgt die Pferdepflege. Dann beginnt der Trainingsbetrieb. Die Pferde werden im Gelände geritten oder vor den Sulky gespannt und auf der Trainingsbahn gefahren. Und das bei Wind und Wetter, denn sie brauchen tägliche Bewegung, um konditionell fit zu sein.
   "Ich hasse es, allein zu arbeiten", gesteht Marisa Bock. Sonst verliert die hübsche "Teenagerin" ihre gute Laune nur noch beim Abladen von Strohballen. Selbst beim Hantieren mit der Mistforke oder beim Schleppen der Bahn mit dem Trecker hat sie ein Lächeln im Gesicht.
   Theorie paukt Azubi Marisa alle sechs Wochen in der Landesberufsschule in Futterkamp bei Lütjenburg. Die Themen: Anatomie, Medizin, Fütterung, Pflege, Trainingsmethodik, Zucht, Betriebswirtschaft und Recht. Die Zwischenprüfung schloss sie als Beste mit der Note 1,5 ab.
   Übrigens: Ihr erstes Rennen gewann sie am 4. November 1999 mit Nilema Key. Marisa wird auch in der Männerdomäne Trabrennsport ihren Weg machen. Selbst ihren Freund Lars Hensen (19) ließ sie im Rennen bislang immer hinter sich...

 

 

 

Aus Hamburger Abendblatt

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