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Ilse Düngelhoef Von Beruf Pferdewirtin - mehr als ein Job Viele Jugendliche träumen davon, einen Beruf zu ergreifen, der mit Pferden zu tun hat. Was liegt also näher als eine Ausbildung zum Pferdewirt oder zur Pferdewirtin? Bei aller Faszination, die die Pferde auf uns Menschen ausüben, werden die Schattenseiten, die dieser Beruf mit sich bringt, jedoch all zu oft vergessen. Ilse Düngelhoef wollte für "Ausbildung & Beratung" mehr über den Alltag von Pferdewirtinnen und -wirten wissen, und machte sich deshalb auf den Weg zur Kölner Rennbahn. Dort traf sie Manuela Petzold, 17 Jahre, angehende Pferdewirtin mit Schwerpunkt Rennreiten, zweites Lehrjahr. Mit ihr verbrachte sie einen Tag auf der Rennbahn. Es ist kurz vor vier Uhr als bei Manuela der Wecker klingelt. Müde schält sie sich aus dem Bett und macht sich für ihren Arbeitstag im Kölner Rennstall fertig. Um viertel nach vier beginnt für sie und die anderen vier Auszubildenden der Tag mit den üblichen Routinearbeiten. Hierzu zählen das Entmisten und Einstreuen der Boxen sowie das Waschen der Reittücher, die als Sattelunterlage dienen. Es folgt der Griff zu Striegel und Bürste, denn einige Pferde warten bereits auf ihre tägliche Fellpflege. Und während Manuela langsam ins Schwitzen kommt, scheinen ihre Pflegepferde die morgendliche Massage sichtlich zu genießen. Übrigens sind alle Auszubildenden im Stall von Trainer Peter Schiergen für vier Pflegepferde verantwortlich. Nachdem alle Pferde geputzt sind, wirft Manuela einen Blick auf die Trainingsliste. Sie verrät ihr, welches ihrer Pflegepferde heute zuerst gearbeitet wird und welche Trainingseinheit der Trainer vorgesehen hat. Gegen viertel nach sechs heißt es satteln und sammeln zum ersten Lot. Aber was bitte ist ein Lot? "Ein Lot," erklärt Manuela, "besteht aus einer Gruppe von Reitern und Pferden, die das gleiche Trainingspensum absolvieren müssen." Aha. Und weil auch die Pferde morgens noch etwas steif sind, beginnt das Training mit einigen Runden im Schritt. Sobald die Muskeln gelockert sind, geht es hinaus auf die Trainingsbahn. Die Galopparbeit wird eingeläutet und so fegen etwa zehn Reiter im typischen Jockeysitz (sofern man hier von "sitzen" sprechen kann) auf ihren Pferden über die zwei Kilometer lange Bahn. Die Kraft und die Schnelligkeit der Tiere ist ebenso beeindruckend wie die Kunst der Reiter, die Vollblüter nach ihrem Willen zu lenken und zu kontrollieren. Aber Trainer Schiergen ist die Ruhe selbst und versichert, dass das alles halb so wild sei: "Man sieht es vielleicht nicht immer, aber ein Jockey hat viele Möglichkeiten, das Pferd zu lenken, zu motivieren und zu bremsen. Und bisher hat´s noch jeder gelernt." Nun ja, nach zahlreichen Jahren als aktiver Spitzenjockey und dreijähriger Erfahrung als einer der erfolgreichsten Trainer in Deutschland muss er es ja wissen. War die morgendliche Stallarbeit noch Routine, so ändert sich das bei der Arbeit mit den Pferden. Denn jede Trainingseinheit ist anders: Kranke Pferde oder Pferde, die ein anstrengendes Rennen oder schnelle Galopparbeit hinter sich haben, werden nur im Schritt bewegt. Im nächsten Lot dagegen kann die Arbeit im leichten Canter - so wird die ruhige Galopparbeit genannt - oder sogar ein Ausritt im nahegelegenen Wald gefragt sein. Abwechslung für Pferd und Reiter gibt es also genug. Aufregend wird es aber vor allem, wenn die jungen, noch unerfahrenen Vollblüter an die Startmaschine gewöhnt werden müssen. Manuela erinnert sich genau an das erste Mal: "Ich hatte richtig Herzklopfen, denn gerade bei den jungen Pferden weiß man nie was passiert. Aber wenn man es geschafft hat, ist es einfach ein tolles Gefühl", strahlt sie. "Und überhaupt, das Arbeiten mit den Pferden macht riesigen Spaß, vor allem, wenn sich das harte Training in einem erfolgreichen Rennen auszahlt." Interessant seien auch die auswärtigen Renntage, zu denen die Auszubildenden ihre Pflegepferde begleiten. Hier sind sie dafür verantwortlich, dass die Pferde rechtzeitig startklar sind. Neben dem Satteln und der üblichen Pflege vor und nach dem Rennen, dürfen sie die Pferde im Vorführring präsentieren. "An Renntagen", sagt Manuela, "herrscht eine ganz besondere Atmosphäre und man trifft viele neue, aber auch bekannte Gesichter. Da gibt es immer etwas zu erzählen. Das Ganze ist wie ein großes Familientreffen." Jedoch könnten all die aufregenden Erlebnisse nicht über die Erschwernisse, die schlechtes Wetter und Dienste an Feiertagen und Wochenenden mit sich bringen, hinwegtäuschen. Die Arbeitszeiten seien recht lang und lägen oft gerade da, wo andere frei haben. Das alles erzählt sie, während sie ihr Pflegepferd zum Abschwitzen noch eine Weile im Schritt führt. Dann ist keine Zeit mehr; das zweite Lot steht an. Danach darf endlich gefrühstückt werden. Es ist neun Uhr und in einer viertel Stunde geht´s weiter mit dem dritten und vierten Lot. Zwischenzeitlich rollt ein riesiger mit Stroh beladener Transporter heran. Nachdem die Pferde versorgt sind, beginnen einige der Auszubildenden sogleich das Stroh abzuladen und zu stapeln. "Das ist unsere Art von Krafttraining", lächelt Trainer Schiergen. Derweil kümmern sich die anderen um den Stall. Das vom Futtermeister bereitgestellte Futter wird an die Pferde verteilt und während die Tiere fressen, bringen Manuela und einige andere Sattelzeug und Stall auf Hochglanz. Und wie sieht der Alltag von Futtermeistern und Trainern aus? Der Futtermeister ist in erster Linie für die Rationsgestaltung verantwortlich. Keine leichte Aufgabe, denn jedes Pferd muss ganz individuell nach der erbrachten oder noch zu erbringenden Leistung gefüttert werden. Darüber hinaus muss er fit in der Qualitätsbeurteilung von Futtermitteln sein. Nur so lassen sich Erkrankungen der wertvollen Tiere aufgrund minderwertiger Futterqualitäten schon im Vorfeld vermeiden. Und natürlich packt auch er bei den täglichen Stallarbeiten mit an. Übrigens gibt es auch einen Reisefuttermeister. Seine Aufgaben sind prinzipiell die gleichen wie die des Futtermeisters. Allerdings ist er die meiste Zeit im Jahr auf Achse und betreut die Pferde auf auswärtigen Rennen. Mindestens jedes Wochenende und einen Tag in der Woche ist er unterwegs. Oft sei er auch schon über mehrere Wochen im Ausland gewesen, berichtet er und schwärmt von Rennbahnen in England, den USA und Japan. Kurz, ein Job in dem man rumkommt und viel sehen und erleben kann. Während er noch einige Anekdoten erzählt, befasst sich Trainer Schiergen bereits mit der Organisation des nächsten Tages. Ein neuer Trainingsplan muss her. Und wie sieht ein typischer Tag bei ihm aus? Nun, auch er muss früh aufstehen und ist von sechs Uhr morgens bis mittags im Stall. Dort ist er Ansprechpartner für seine Auszubildenden, den Futtermeister, die Pferdebesitzer und für alles, was sonst noch für die Pferde von Belang ist (z. B. Hufschmied, Tierarzt). Er betreut das tägliche Training, beurteilt die Fortschritte von Pferd und Reiter und bestimmt, welche Pferde bei welchem Rennen eingesetzt werden. Eng damit verbunden ist die Auswahl und Verpflichtung von Jockeys für die nächsten Rennen. Die Nachmittage verbringt Peter Schiergen häufig auf Gestüten. Hier sichtet er junge Pferde; immer in der Hoffnung, auf erfolgversprechende Nachwuchspferde zu stoßen. Aber auch der Papierkram bleibt ihm nicht erspart. Oft sitzt er zu Hause an seinem Schreibtisch und bereitet Nennungen für die verschiedenen Rennen vor. Ein Trainer ist also Manager, Lehrer und Diplomat zugleich. Was aber zeichnet einen guten Trainer ganz besonders aus? "Die Beobachtungsgabe", antwortet Peter Schiergen prompt. "Im Training muss ich die Entwicklung der Pferde und auch die Fortschritte meiner Auszubildenden genau erkennen. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um geeignete Maßnahmen zur Leistungssteigerung oder -stabilisierung einleiten zu können. Zudem muss ich auch immer die Konkurrenz im Auge haben. Denn für ein Rennen ist es wichtig, die Gegner zu kennen, um meine Jockeys auf die entsprechende Renntaktik einzustimmen. Aber auch bei der Sichtung junger Pferde ist eine gute Beobachtungsgabe gefragt." Mittlerweile ist es zwölf Uhr. Die Pferde sind versorgt, der Stall ist sauber und auch das Stroh ist schon abgeladen. Endlich dürfen auch die Auszubildenden Mittagspause machen. Um halb fünf treffen sich alle ausgeruht und gut gelaunt im Stall wieder. Nur eine Stunde dauert es, und die letzten Arbeiten des Tages sind getan: Kot aus den Boxen sammeln, Stroh aufschütteln, Pferde füttern und Stall fegen. Was ist für Manuela trotz all der harten Arbeit an dem Beruf der Pferdewirtin so faszinierend? "Ja", gibt sie zu, "die Arbeit ist oft wirklich schwer und vor allem im Winter ist das Reiten der Vollblüter nicht ganz ungefährlich. Die Pferde werden dann häufig nur kurz im Schritt oder Trab bewegt und sind aufgrund der kalten Witterung sehr frisch und übermütig. Aber trotz allem macht es Spaß, mit den Pferden zu arbeiten. Vor allem fasziniert mich das Tempo und auch die Kraft und Eleganz der Vollblüter. Das ist schon etwas ganz besonderes." Nach Abschluss der dreijährigen Lehre will Manuela als Arbeitsjockey ins Ausland. Am liebsten Schweden oder England, sagt sie. Die Chancen für Pferdewirte mit der Richtung Rennreiten sind hierzulande gut. Insbesondere für junge, talentierte Männer der Gewichtsklasse von 52 bis 54 Kilogramm bieten sich enorme Karrierechancen. Wichtigste Voraussetzung: Disziplin, vor allem bei der Ernährung. Denn, wenn sich Jockeys eins nicht leisten können, dann sind es Gewichtsprobleme. Anders ist das bei den Trainingsjockeys. Hier werden durchaus etwas höhere Gewichtsklassen toleriert. Wichtigste Voraussetzung für die Berufsausbildung ist laut Trainer Schiergen das Interesse für die Pferde, gefolgt von der Disziplin und dem Verantwortungsgefühl für sie. Für welche Richtung man sich in diesem Beruf auch immer entscheidet (Trainings-, Amateur oder Profijockey, Trainer, Futter- oder Reisefuttermeister), die dreijährige Berufsausbildung müssen alle absolvieren. Ein Traumberuf ist es jedoch nur für diejenigen, die ausreichend Begeisterung, Talent und Energie mitbringen. Die Arbeit mit Pferden als Pferdewirtin oder Pferdewirt ist eben wesentlich mehr als ein Beruf - sie ist eine Passion. Anschrift der Autorin Ilse Düngelhoef, Am Schwanenmorgen 1, 53121 Bonn Quelle: aid, Fachzeitschrift „Ausbildung & Beratung“, Seite 390-391, Ausgabe 12/00 [ Home | Forum | Lern- CD | Links | Service | Termine | NEWs | Info | Sitemap] |
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